Zeitarbeit in jedem fünften neuen Job

Zur Zeitarbeitsbörse kamen  mehr als 500 Interessierte.
Zur Zeitarbeitsbörse kamen mehr als 500 Interessierte.

Entgegen dem bundes- weiten Trend ist in der Schweriner Region die Nachfrage nach Zeitarbeit trotz der Konjunkturflaute nicht gesunken, sondern befindet sich im Aufwind. Die Vermittlung von neuen Jobs erfolgt bereits zu 20 Prozent über Personaldienstleister als Mittler auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen.

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22. Oktober 2009, 08:45 Uhr

Schwerin | "Dass im Gefolge der Finanz- und Wirtschaftskrise der Zeit arbeitsmarkt besonders schwer zu leiden hat, können wir für den Arbeitsagenturbezirk Schwerin nicht bestätigen, ganz im Gegenteil, die Nachfrage steigt", sagt Britta Hentrich, Teamleiterin im Arbeitgeber service. Sehr deutlich habe sich das beispielsweise gestern bei der Zeitarbeitsbörse der Agentur im Berufsinformationszen trum gezeigt, bei der insgesamt 22 Personaldienstleistungsunternehmen aus der Region sich und ihre Angebote präsentiert haben. "Schon vor Beginn hatten sich lange Schlangen gebildet, dann wurde es richtig eng. Mehr als 500 Arbeitsuchende nutzten die Börse", berichtet Hentrich. Einige von ihnen konnten bereits mit unterschriebenen Arbeitsverträgen den Heimweg antreten, andere hatten für heute feste Termine in Zeitarbeitsfirmen vereinbart, wie etwa Edeltraut S. aus Schwerin. Die 54-jährige Zahnarzthelferin ist seit knapp einem Jahr arbeitslos und hatte in dieser Zeit eine Umschulung zur Betreuerin für Demenzkranke absolviert. "Ich will möglichst rasch wieder arbeiten und verstehe die Vermittlung durch eine Zeitarbeitsfirma als Chance auf dem Weg dorthin. Deshalb habe ich diese Börse genutzt", erläutert die 54-Jährige.

"Wir verstehen Zeitarbeit als Sprungbrett für Arbeitsuchende auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt", betont Britta Hentrich. Ihr Team im Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur ist angesichts der wachsenden Nachfrage auf fünf Vermittler angewachsen, die sich nur mit Zeitarbeit beschäftigen. 20 Prozent aller Vermittlungen der Arbeitsagentur gehen an Zeitarbeitsfirmen. Diese ermitteln zunächst den Arbeitskräfte-Bedarf bei Unternehmen, stellen dann selbst ein und verleihen ihre Arbeitnehmer an die entsprechenden Betriebe. Die Chancen der Betreffenden, auf diesem Weg eine Festeinstellung zu bekommen, stehen nicht schlecht. Sie liegen nach Schätzungen der Arbeitsagentur bei gut 25 Prozent für Facharbeiter und etwa 15 Prozent für Hilfskräfte.

Kündigungsschutz und Mindestlöhne umgehenDoch Zeitarbeit hat nicht nur positive Seiten. "Aus unserer Sicht wird Leiharbeit verstärkt von Firmen dazu genutzt, Kündigungsschutz und Mindestlöhne zu umgehen", sagt Thomas Fröde, DGB-Vorsitzender der Region Rostock-Schwerin. Sie diene keineswegs nur noch dazu, Auftragsspitzen abzubauen, sondern sei mittlerweile fester Bestandteil in den Personalkonzepten vieler Unternehmen, um Festeinstellungen zu umgehen. Und auch das Argument, dass gesetzlich festgelegte Mindestlöhne gezahlt würden - was kontrolliert werde - sei nicht stichhaltig, weil die über Zeitarbeitsfirmen vermittelten Kollegen meist für gleiche Arbeit weniger Lohn bekämen, so Fröde.

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