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Lokales

15. Dezember 2017 | 07:09 Uhr

Zbik stellt seine Zukunft sicher

vom

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2010 | 06:54 Uhr

Hamburg | Die Erleichterung war allen Beteiligten deutlich anzumerken. Steine fielen vom Herzen. Universum-Boxprofi Sebastian Zbik hat in der Nacht zum Sonntag in der Hamburger O2 World Arena nicht nur seinen Interims-Titel des Verbandes WBC im Supermittelgewicht gegen Jorge Sebastian Heiland (Argentinien) erfolgreich verteidigt, der Schweriner hat auch einen entscheidenden Schritt zum Weiterbestehen des Universum-Box-Stalls geschafft. "Ich bin überzeugt davon, dass wir jetzt den richtigen Weg gehen werden", sagte der 28-Jährige nach seinem einstimmigen Punktsieg.

"Zbiker" ist jetzt der Pflichtherausforderer von Weltmeister Sergio Gabriel Martinez (Argentinien). Dafür muss er sich aber noch gewaltig steigern. Gegen den ununterbrochen anlaufenden Heiland traf er zwar präzise bei seinen Kontern mit Geraden und Aufwärtshaken, durchschlagende Wirkung erzielte er aber nicht, der Kampf wurde hinten heraus langweilig. "Ich weiß selbst, dass meine Kämpfe nicht immer die attraktivsten sind. Aber ich habe jetzt 30 Mal gewonnen - also muss ich wohl auch irgendwas richtig machen", sagte Zbik.

Und er freut sich schon auf seine nächste noch größere Aufgabe gegen WBC-Weltmeister Martinez - wahrscheinlich in Amerika. "Da fliegen wir rüber und werden ein bisschen die Bude rocken", kündigte der auch verbal schlagfertige Profi an und ergänzte: "Wenn ich meinen Stil zwölf Runden durchhalte, wird es auch für Martinez nicht einfach."

Das Zbik-Management lässt sich allerdings nach wie vor nicht in die Karten schauen. "Jetzt mache ich erstmal zwei Wochen Urlaub. Dann werden wir verhandeln und das Ergebnis zu gegebener Zeit mitteilen", sagte der 66 Jahre alte Kohl, der die Geschäftsführung seines nunmehr abgespeckten Unternehmens mit Wirkung vom 1. August wieder selbst in die Hand genommen hat.

Neben Zbik verteidigte am Samstag auch der Hamburger WBA-Weltmeister im Supermittelgewicht, Dimitri Sartison, seinen Titel durch einen einstimmigen Punktsieg gegen den Armenier Khoren Gevor. Mit Abstand der packendste Fight vor den nur rund 3500 Zuschauern, die in den Hamburger Schulferien den Weg in die Arena gefunden hatten.

Es war die 109. und letzte Veranstaltung, die Universum mit dem ZDF austrug. Acht Jahre übertrugen die "Mainzelmännchen" die Kämpfe des Hamburger Stalls, jährlich rund 20 Millionen Euro überwiesen sie dafür und sicherten damit die finanzielle Basis für das Unternehmen. Vorbei, der Vertrag lief aus und wurde nicht verlängert.

Ohne Moos ist eben auch beim ZDF nichts los: "Es waren ausschließlich wirtschaftliche Gründe für die Entscheidung auf Ebene der Geschäftsleitung ausschlaggebend", sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz: "Es waren keine Gründe gegen das Boxen."

Gastronomie-Millionär Kohl, der mit Box-Veranstaltungen vor 26 Jahren als Hobby begonnen hatte, hat die neue Herausforderung aber doch noch einmal angenommen. "Ich habe überlegt, den Laden dicht zu machen", gab er in der Nacht auf der VIP-Party zu: "Ich habe mit Universum schließlich alles erreicht."

Aber es reizen neue Vermarktungsmodelle und Ideen. Erstmals wurden am gestrigen Sonntag User des Universum-iPhone-Apps aufgefordert, den bislang freien YouTube-Kanal des Unternehmens zu abonnieren. Seit Wochen redet Kohl gemeinsam mit seinem Juniorpartner und Schwiegersohn Dietmar Poszwa von Verhandlungen mit potenziellen Partnern: "Wenn alles klappt, können wir größer werden, als wir schon waren." Drei Kämpfe an dem Abend wurden bereits in 3D produziert. "Wir werden unsere Entscheidung zu gegebener Zeit bekannt geben", so der Universum-Boss.

Es ist nicht mal mehr ausgeschlossen, dass Kohl den für Ende Oktober/Anfang November anstehenden Kampf von Zbik gegen Martinez mit einem neuen Partner nach Deutschland holt: "Warum denn nicht?", sagt er und seine Augen blitzen wie immer, wenn er sich eines Coups sicher ist. Es scheint im Boxen so zu sein wie in der Astro-Physik: Das Universum hat kein bekanntes Ende.

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