Zauberwelt mit Gruselfaktor

 <strong>Monarch mit nacktem Fuß:</strong> So stellt sich die Künstlerin 'Des Kaisers neue Kleider' vor.
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Monarch mit nacktem Fuß: So stellt sich die Künstlerin "Des Kaisers neue Kleider" vor.

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22. Juli 2010, 07:10 Uhr

Altstadt | "Mama, wer ist eigentlich die böse Frau dort?" Sich in die Figuren des Bildes "Dornröschen" einzufinden, ist gar nicht so einfach. Aber Mama schafft es: "Das muss die 13. Fee sein, die nicht zur Taufe eingeladen wird und die Prinzessin verwünscht." Perfektes Märchengedächtnis. Das ist manchmal nötig bei der Ausstellung "Es war einmal", die bis zum 28. August täglich von 10 bis 18 Uhr im Weinlaubsaal des Schlosses zu sehen ist. Mehr als 200 Figuren entführen dort in die Welt von Grimm, Andersen, Hauff und Co. Neben Froschkönig, Rotkäppchen und Schneewittchen sind es die weniger bekannten Märchen, die zum Stehenbleiben, Staunen, Erinnern und Erzählen animieren. Geschaffen und arrangiert hat die lebensgroßen Figuren Katrin Geilenkirchen. Die gebürtige Malchowerin lebt heute in Jülich und leitet in ihrem Wohnort ein Märchentheater. Sie schrieb die Drehbücher, entwarf die Bühne, Kostüme und aufwändige Märchenmasken. Erst später entdeckte sie den Werkstoff Ton als Ausdrucksmöglichkeit schuf eine lebensgroße Märchenwelt. "Die Menschen sollen sich in meiner Zauberwelt erholen, aber ein bisschen gruselig ist es auch", sagt die Künstlerin schmunzelnd. Hervor stechen die individuellen Gesichtszüge ihrer prächtig gekleideten Figuren, die deren typischen Charakterzüge ausdrücken sollen: Neid, Missgunst, Gefahr oder Unschuld.

Mehr als 1000 Besucher strömten am Eröffnungswochenende in die Ausstellung. Die Veranstalter von der Petermännchen Kulturfördergesellschaft sind sehr zufrieden mit dieser Resonanz. Denn ein Risiko war es durchaus für den umtriebigen kleinen Verein, diese große Exposition nach Schwerin zu holen. "Wir haben eine Menge vorfinanziert", sagt Vorsitzender Manfred Pöhls. "Der Eintrittspreis, den wir jetzt nehmen, rechnet sich gerade so." In den Vorbereitungswochen habe es für die Organisatoren und ihre zahlreichen Unterstützer viele schlaflose Nächte gegeben. Schließlich musste der lange Jahre verschlossene Weinlaubsaal hergerichtet werden - mit Holzsteg und abgehängten Wänden. Den meisten Besuchern gefällt dieses Ambiente besonders gut. Viele wünschen sich schon jetzt "Es war einmal" als Dauerausstellung. Der Weinlaubsaal kommt als Ort dafür allerdings nicht in Frage. Er wird für das Staatliche Museum gebraucht. Märchen-Fan Pöhls hat allerdings genug Fantasie für kreative Alternativ-Lösungen: "Das Schloss hat ja noch viele Räume."

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