zur Navigation springen
Lokales

18. November 2017 | 15:12 Uhr

Zahnärzte warnen: Karies sozial bedingt

vom

svz.de von
erstellt am 13.Okt.2010 | 08:18 Uhr

Güstrow | Immer noch müssen sich vor allem Grundschüler im Landkreis Güstrow schmerzhaften Zahnbehandlungen unterziehen. Das trifft auf 23,1 Prozent der Schüler zu. Im Kindergarten ist es ähnlich (24,1). Speziell Karies ist ein Problem. Zwar sei die Tendenz rückläufig, aber elf Prozent der untersuchten Kinder hätten immer noch eine hohe Kariesaktivität. "Schuld daran sind meist die Eltern", sagt Katrin Falk vom zahnärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes in der Kreisverwaltung Güs trow.

Die Eltern seien oft sorglos, teilweise auch überfordert, wenn es um gesunde Ernährung gehe. Das wiederum sei ein soziales Problem, so Katrin Falk. "Es fehlt bei den Eltern die Einstellung, etwas für die Zahngesundheit ihrer Kinder zu unternehmen." Und: Wer arm sei und kein Geld habe, ernähre sich ungesund. Auch die Lebensweise während der Schwangerschaft entscheide bereits über die Qualität der Zähne. Weitere Fehler würden trotz Aufklärung im Babyalter gemacht. Falk: "Wir stellen immer wieder fest, dass Eltern ihren Babys in Nuckelflaschen süße und säurehaltige Getränke geben." Wenn solche Kinder z.B. erst mit drei Jahren in eine Kindereinrichtung kommen, sei "schon alles gelaufen", der Grundstock für schlechte Zähne gelegt, erklärt die Zahnärztin.

An der Arbeit des Gesundheitsamtes liege es nicht. Das untersuche, so Falk, einmal im Jahr fast alle Kinder und Jugendlichen in 38 Schulen und 71 Kitas. Das waren im vergangenen Schuljahr von 11 288 Kindern und Jugendlichen zwischen zwei und 18 Jahren 9757. Besonders bewährt haben sich, betont sie, die Arbeit einer Prophylaxen-Helferin, die von den Krankenkassen bezahlt wird, und die Florid-Prophylaxe.

Natürlich gebe es auch Kinder, die ein von der Natur aus anfälliges Gebiss haben. "Dagegen kann man etwas tun und sich behandeln lassen", sagt Falk. Geld dürfte nicht das Problem sein, weil die Vorsorgebehandlung generell kostenlos sei.

Katrin Falk räumt aber auch Probleme bei der Vorsorge durch Zahnärzte ein. Die Milchzahnsanierung sei in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden und die Weiterbildung der Zahnärzte auf diesem Gebiet müsse aktiviert werden, weiß Katrin Falk, die Vorsitzende der Landesstelle des Bundesverbandes der Zahnärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst ist.

Weiterhin denkt das Gesundheitsamt Güstrow über neue Konzepte nach, wie man an die Eltern herankommt, "denn bei Elternversammlungen, bei denen der zahnärztliche Dienst informiert, tauchen sie ja meist nicht auf", weiß Falk.

Im Landkreis Güstrow hatten 1994/95 20,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen ein naturgesundes Gebiss, 47 Prozent sanierte und 31 Prozent behandlungsbedürftige Zähne. 2009/10 waren es im Vergleich 49,5, 31 und 20 Prozent.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen