zur Navigation springen
Lokales

24. Oktober 2017 | 06:03 Uhr

"Zärtlicher Dvorák" füllt Spendentopf

vom

svz.de von
erstellt am 26.Sep.2010 | 06:29 Uhr

Wittenberge | Pfarrer Reinhard Worch spricht von einem "zärtlichen Dvorák". Konzertbesucher schwärmen von der gelungenen musikalischen Auswahl, und die Musiker offenbaren während des großen Finales bei der mitreißenden Filmmusik zum "Fluch der Karibik" ihre Spielleidenschaft. Was die Besucher am Sonnabend auf dem 3. Benefizkonzert zu Gunsten an Duchenne Muskeldystrophie (DMD) erkrankter Kinder in der Wittenberger Stadtkirche erleben dürfen, ist Klassik auf einem Niveau, wie man es bei Musikschülern nicht zwingend erwarten kann, allenfalls erhoffen darf.

Knapp 100 Musiker aus drei Orchestern haben die Dirigenten Andreas Jerye, Jürgen Runge und Hubert Prochota vereint. "Wir sind alles keine Berufsorchester, manchmal fehlen Instrumentalisten und dann helfen wir uns gegenseitig", sagt Hubert Prochota. Keiner der drei Klangkörper hätte heute alleine mit diesem Programm bestehen können. "Das Konzert stand kurz vor der Absage, deshalb sagten wir unsere Teilnahme zu", so der polnische Dirigent, dessen Schule mit der Potsdamer bereits seit den 60er Jahren Kontakt hat.

Im Sommer wurde intensiv in Polen geprobt, Freitag reisten 25 Musiker aus Oppeln an. Das Orgelkonzert von Bach war eine Idee von Prochota. "Ich bin ein Bach-Fan", gesteht er und mit Tomasz Niestroj hätten sie ein Nachwuchstalent an der Orgel in ihren Reihen. In Kürze werde Tomasz ein Musikstudium beginnen.

Richard hört statt Klassik lieber Rock. Zusammen mit seinem Bruder Friedrich sowie Max und Hannes sind sie trotzdem dankbar, dass es dieses Benefizkonzert gibt. Alle vier sind an der unheilbaren und tödlich verlaufenden DMD erkrankt. Die Musikrichtung spiele keine Rolle, wenn es um Geld für die medizinische Forschung geht. Sie und ihre Eltern hoffen auf Fortschritte. Die gibt es, wenn auch nur kleine. In den Niederlanden wird an der Universität Leiden an einem Medikament geforscht. "Dieses kann die Krankheit spürbar verlangsamen, wir hätten Zeit gewonnen", sagt Marc Reinecke. Der Vater eines erkrankten Sohnes und Mitglied im Vorstand des Vereins "Aktion Benni & Co ist." Dieser sammelt Geld für die Forschung.

Eine Heilung sei selbst mittelfristig nicht in Sicht. Neben dem Medikament, das sich bereits in der klinischen Erprobungsphase befindet, werden verschiedene andere Ansätze verfolgt, "aber nirgends zeichnet sich ein Durchbruch ab", so Marc Reinecke.

Rund 3000 Jungen leiden in Deutschland an DMD. Die ersten Folgen des Muskelschwunds treten meist im Grundschulalter auf. Muskeln zersetzen sich, die Kinder leiden an Lähmungserscheinungen. Je nach Verlauf liege die durchschnittliche Lebenserwartung bei 25 bis 30 Jahren. Die Spenden vom Konzert am Samstag gehen an den Verein, der sie weiter reichen will an die niederländische Forschungsgruppe.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen