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Lokales

19. Oktober 2017 | 02:13 Uhr

Wunder von Müsselmow wird wahr

vom

svz.de von
erstellt am 19.Sep.2010 | 04:43 Uhr

Müsselmow | "Ein Großfeuer hat am Abend des 13. April 2010 ein reetgedecktes Bauernhaus komplett vernichtet. Personen kamen nicht zu Schaden." So las es Familie Stapelfeldt zwei Tage später in der SVZ. Am Sonnabend - gerade fünf Monate später - hat sie am selben Platz Richtfest gefeiert.

Ein nagelneuer Dachstuhl, bereits regendicht, erhebt sich über der ehemaligen Brandruine. Gerade fügen Zimmerleute mit einem Kran noch die fehlenden Fledermausgauben hinzu. Wenn das Wetter mitspielt, kann anschließend die Neueindeckung beginnen - natürlich wieder mit Schilfrohr. Das ist für die Eigentümer gar keine Frage, denn sie sind Rohr-, Reiht- oder Reet-Dachdecker (je nach Sprachgebrauch), und zwar in dritter und vierter Generation.

Ein "natürlicher Brand durch Funkenflug rechts außen vom Schornstein" war die Ursache des Flammeninfernos, für die niemand eine Schuld anzulasten ist. Denn alle hatten penibel die geltenden Vorschriften eingehalten. Das hat Senior Heinz Stapelfeldt schriftlich von den zuständigen Ämtern.

Trotzdem setzt der leidenschaftliche Golchener Handwerker (59) mit seinen jeweils elf Jahre im väterlichen Betrieb berufserfahrenen Söhnen André (33) und Michael (29) für den Wiederaufbau ihres Müsselmower Kleinods diesmal auf eine andere Bauform als zuvor. Das neue Dach bekomme nun einen durchgehenden Ziegelsattel, wie er sich seit über hundert Jahren auf reetgedeckten Wirtschaftsgebäuden bewährt, wo traditionell mit Holz geheizt wurde.

Auch beim ökologischen Innenausbau werden die Stapelfelds Kompromisse eingehen müssen, obwohl die Lehmwände und Decken dem Brandgeschehen stand gehalten hatten. So wollte etwa die Hausbank lange nicht glauben, dass die übriggebliebene Bausubstanz noch gut ein Drittel des versicherten Gesamtwerts ausmachte.

Doch Familie Stapelfeldt trauert dem "durch Papierkram" verursachten Zeitverzug von acht Wochen nicht mehr nach. Nach den Aufräumarbeiten mit tatkräftiger Hilfe von Verwandten sogar aus Tomsk (Sibirien) bis zum Richtfest haben die Stapelfeldts und Fachhandwerker aus der Nachbarschaft alles in allem drei Wochen gebraucht.

Voller Enthusiasmus und Vertrauen in das eigene Können feiern sie deshalb mit all jenen, die ihnen nach dem Schicksalsschlag beistanden, allen voran "Opa Dieter" Radloff aus dem Nebenhaus, der die vier jungen Stapelfelds - André, Julia und ihre beiden Kinder - wie seine eigene Familie aufgenommen hat.

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