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Lokales

22. September 2017 | 15:35 Uhr

Wracksucher in der Ostsee

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erstellt am 08.Okt.2010 | 08:19 Uhr

Rostock | Auf der Ostsee drängen sich Tanker, Containerschiffe, Fischer, Fähren und neuerdings auch noch Offshore-Windparks sowie die Nordstream-Pipeline - auf und unter dem Meer ist es eng geworden. Mittendrin steuert Kapitän Andreas Gentes das Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff "Deneb" durch die deutsche Ostsee. Er und seine 15-köpfige Crew sind im Auftrag des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) unterwegs, um Daten für neue Seekarten zu sammeln und Hindernisse zu orten. Heute liegt das Schiff zum Tag der offenen Tür am heimatlichen BSH-Pier und ist, wie das Amt selbst, zur Besichtigung freigegeben.

"Die Hindernisse sind nicht immer nur Schiffswracks", sagt Gentes. Auch Flugzeuge, Bagger, Autos, Minen oder Torpedos hat seine Mannschaft schon geortet. Vor ein paar Jahren stieg dabei der Adrenalinspiegel des Kapitäns schlagartig an: "Da sprang bei einem geborgenen Torpedo auf einmal der Antrieb an", sagt Gentes. Der Sprengsatz aus dem Zweiten Weltkrieg war zu dem Zeitpunkt allerdings schon entfernt worden, eine kleine Rauchwolke gab es trotzdem.

In diesem Jahr fünf neue Funde

Im laufenden Jahr hat die "Deneb" bereits fünf bisher unbekannte Wracks aufgestöbert. Darunter zwei bedeutende historische Funde - einen Lastkahn und ein jahrhundertealtes Schiff mit Kupferladung. "Wir versuchen dann schon, die Schiffe zuzuordnen", sagt Gentes. Dafür kann die Mannschaft auf eine extra Wrack-Datenbank zurückgreifen.

Insgesamt sind nun rund 800 Unterwasserhindernisse in der Ostsee bekannt, zusammen mit der Nordsee sind es 2500. Sie werden je nach Nähe zu den Schifffahrtsrouten im Abstand von einem bis 30 Jahren wieder angefahren. Sollten sie ihre Lage ändern und so zu einer ernsthaften Gefahr werden, müssen die Wracks geborgen werden. Bei Munitionsfunden gibt es da überhaupt keine Ausnahme.

Sie stellten auch beim Bau der Nordstream-Pipeline ein Dauerthema dar. Für deren Genehmigung, zumindest im 32 Kilometer langen deutschen Abschnitt, war das BSH ebenfalls zuständig. Entlang der Gesamtstrecke wurden neben 27 Minen auch mehrere Bomben sowie chemische Munition gefunden, zumeist Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg in finnischem und schwedischem Gewässer. Erschwerend kam zudem der Widerstand vor allem der Polen gegen die Pipeline hinzu. In einem in dieser Größe noch nie da gewesenem Beteiligungsverfahren mit sämtlichen Ostsee-Anrainerstaaten gab Polen diesen aber letztendlich auf, sodass der Bau im April dieses Jahres beginnen konnte. 2012 soll die 1220 Kilometer lange Pipeline in Betrieb genommen werden.

"Nach wie vor ist es sehr schwer, unter Wasser zu gucken", sagt Dr. Mathias Jonas, Chef der mehr als 200 Mitarbeiter am Rostocker BSH-Standort und der insgesamt fünf Schiffsbesatzungen. Daran habe auch der Einsatz von Satelliten nicht viel geändert. Deshalb kommen bei der Vermessung der rund 57 000 Quadratkilometer deutschem Seegebiet - was einem Sechstel der Landfläche der Bundesrepublik entspricht - noch immer die BSH-Schiffe zum Einsatz. Pro Jahr kostet das zehn Millionen Euro.

Echolot, Sonar und GPS-Positionsempfänger erleichtern die Arbeit der Besatzungen. Für Detailuntersuchungen sind zudem Taucher an Bord. Auf der "Deneb" machen Holger Siekert und zwei Kollegen diesen Job. Sie gehen bis zu 50 Meter tief, kommen aber eher im flachen Wasser zum Einsatz. "Länge und Breite zu bestimmen, bekommt die Technik oben mittlerweile besser hin", sagt Riekert. Rund 40 Stunden sei er im Jahr unter Wasser. Ein langer Schlauch versorgt die Taucher dabei mit Luft, Strom und Funkkontakt. Für den Notfall hat die "Deneb" auch eine Druckkammer an Bord. Die musste bisher aber glücklicherweise noch nie eingesetzt werden.

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