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Lokales

20. November 2017 | 03:10 Uhr

Wolfs-Büffet im Gehege

vom

svz.de von
erstellt am 02.Mär.2011 | 06:44 Uhr

Wittstock/Prignitz | Der Wolf in der Kyritz-Ruppiner Heide beschäftigt mittlerweile sogar die Umweltschutzorganisation WWF. Deren Wolfsexperte Dr. Janosch Arnold weist die Behauptung zurück, dass es sich um einen "Problemwolf" handele.

Viehhalter sind nervös, denn der Wolf soll in sieben Monaten knapp 70 Damhirsche, Rentiere und Schafe in fünf verschiedenen Gehegen getötet haben. Erst vor wenigen Tagen stand das Tier erneut vor einem Rentiergehege, wurde von einer Kamera gefilmt (wir berichteten gestern). Rentierzüchter Hans Fehrmann aus Schwarz (Müritzkreis) habe jedoch Glück gehabt: Der Wolf kam nicht ins Gehege. Das Verhalten des Tieres rechtfertige nicht den wenig schmeichelhaften Titel "Problemwolf", sagt Dr. Janosch Arnold und weist aufkommende Umsiedlungs-Forderungen zurück: "Der angebliche Problemwolf ist noch gar keiner und verhält sich gegenüber Menschen unauffällig. Nutztierherden in unzureichend geschützten Gattern sind für Wölfe eine Einladung zum All You Can Eat-Büffet."

Das Töten von mehreren eingepferchten Beutetieren sei ein normales biologisches Phänomen. "Nur wenn ein Wolf dreistes Verhalten gegenüber Menschen zeigt, wird es problematisch. Noch ist auch nicht klar ob es sich ausschließlich um einen Wolf handelt", sagt Arnold.

Jedoch müsse man den Nutztierhaltern zur Seite stehen, um ein Zusammenleben mit dem Wolf zu ermöglichen und mit Herdenschutzmaßnahmen dafür sorgen, dass keine Spezialisierung auf Nutztiere erfolgt.

Der WWF fordert daher, alle Schaf- und Damwildherden mit ausreichenden Maßnahmen zu schützen. Da Nutztierhalter seit längerer Zeit um die Gefahr wüssten, sei nun auch Eigenverantwortung gefragt. Abgesehen davon sei ein Elektrozaun nur dann ein wirksamer Schutz, wenn er richtig aufgestellt und überprüft werde.

Um Arbeitsaufwand und Finanzierung wirtschaftlich tragbar zu halten, fordert der WWF Unterstützung für Nutztierhalter. Man dürfe Betroffene nicht allein lassen. Der WWF arbeite bereits mit dem Land Brandenburg bei Betriebsberatungen zur Prävention von Nutztierrissen zusammen.

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