Wohnen wie in einem Museum

Prall gefüllt war der Sack des Weihnachtsmannes in Lenzen.h. taufenbach
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Prall gefüllt war der Sack des Weihnachtsmannes in Lenzen.h. taufenbach

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07. Dezember 2009, 10:13 Uhr

Lenzen | Nie hätte Annemarie Böse vermutet, dass sie dies noch erleben darf: Am Samstag betrat sie das erste Mal nach Jahrzehnten ihr Geburtshaus in der Seetorstraße Nr. 7 in Lenzen. "Einfach nur wunderschön", sagt die 85-Jährige und ringt sichtbar um Fassung. Gerührt geht sie durch die kleine Stube, die schon damals mit ihrem Fenster zur Straße hinaus die gute Stube ihrer Eltern war. Wo heute nebenan ein Klavier steht, befand sich damals das Esszimmer, gegenüber die Küche.

Biedermeiersofa, Bilderchen an den Wänden, tickende Wanduhren und die wohlige Wärme des kleinen Ofens entführen die gut hundert Besucher am Samstag in die Vergangenheit. Für Minuten tauchen sie ein in das frühere Leben einer Ackerbürgerfamilie, gehen durch den Stall an Ziegengehegen und Kaninchenboxen vorbei, um Minuten später wieder in der Gegenwart aufzutauchen. Was museal, teilweise gar kitschig wirkt, ist für Familie Wiese die Erfüllung eines Lebenstraums.

Beate und Wolfgang Wiese sind in der Metropole Hamburg aufgewachsen. Zwar räumlich nah bei Lenzen, aber auch im 20. Jahr nach dem Mauerfall weit entfernt vom kleinstädtischen Flair des Städtchens an der Löcknitz. Erst wenn Wolfgang von der elterlichen Ackerbürgerei am Hamburger Stadtrand spricht, liebevolle Details und Erinnerungen aus seiner Kindheit erwähnt, wird dieser Lebenstraum greifbar. Und wer weiß, dass sein Vater in Brandenburg aufwuchs, kann endgültig verstehen, dass Wieses Weg hierher nach Lenzen führen musste.

"Ich habe mit ein Stück meiner Kindheit zurückgeholt", sagt Wolfgang Wiese. Gezielt suchte er im Ruppiner und Wittenberger Raum nach einem geeigneten Haus mit Scheune oder Stall für eine Tierhaltung. Nah bei Hamburg sollte es sein, verkehrstechnisch günstig zu erreichen. 2001 die Entscheidung: Wieses erwarben das etwa 200 Jahre alte Haus in Lenzen.

Lenzener zeigten sich skeptisch. Ein Hamburger und ein vor sich hin rottendes Haus passten nicht zueinander. Und wenn überhaupt, dann wohl nur als Wochenendsitz fernab von Hamburger Verkehrslärm und Konsumtempeln. Balken für Balken, Fenster und Türen restaurierte der langjährige Zimmerer- und Maurerpolier. Die Woche über in Hamburg, an den Wochenenden in Lenzen. 2004 war die Grundsanierung abgeschlossen, 2006 der Innenbereich fertig, Zweifel der Nachbarn verflogen. Die Aufteilung der Innenräume blieb erhalten. Der Abschied von Hamburg sei leicht gefallen, auch der heute zwölfjährigen Laura. "In den fünf Jahren der Sanierung haben wir uns hier eingelebt, Freunde gefunden und wir wussten, hier können wir Haustiere halten, was unser Wunsch war", erzählt Wolfgang Wiese, der für die liebevolle Restaurierung keine Fördermittel erhielt.

Bis hin zum Bett stammen die Möbel fast durchweg aus der Gründerzeit des Hauses. Auch sie hat der Zimmerer fachgerecht aufgearbeitet. "Wir wollten einen einheitlichen Stil, wir wollten dem Haus seinen Charakter geben", fasst er zusammen.

Weihnachtsmarkt auf dem Kirchplatz

Wenige Schritte entfernt, drängen sich Holzbuden an die hohen Kirchenmauern. Stadt, Tourismusverein und Lenzens Karnevalsverein haben einen gemütlichen Weihnachtsmarkt organisiert. Kinder machen emsig beim Rätsel mit, dessen Lösungswörter in den Geschäften der Innenstadt versteckt waren. Stadtbetriebshofleiter Torsten Jacob schnitzt mit der Motorsäge einen Eule. Sie wird versteigert, der Erlös geht an den Schulförderverein. Bevor die Ständchenband das erste Lied anstimmt, kommt der Weihnachtsmann, dessen Sack prall gefüllt ist. Als Engel begleitet ihn die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler. Gemeinsam lassen sie Kinderherzen schneller schlagen.

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