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Wohnen auf der Datsche ruft Ämter auf den Plan

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erstellt am 14.Mai.2010 | 05:11 Uhr

Parchim | Davon haben die Meiers (Name geändert) schon lange geträumt. Am liebsten würden sie die Stadtwohnung ganz aufgeben und in ihr Wochenendhaus mit Blick auf den See ziehen. Seit die erwachsenen Kinder die Wohnung verlassen haben, reicht den beiden der Platz im schmucken Bungalow völlig aus. Und die Sache würde sich auch finanziell lohnen, denn Miete fällt hier keine an und die Nebenkosten sind gegenüber der 80 Quadratmeter großen Stadtwohnung auch deutlich geringer. Meiers wollten allerdings sicher gehen und haben sich bei der Landkreisverwaltung erkundigt, ob sie den Umzugswagen bestellen können.

Schneller als gedacht, ist der Traum geplatzt. "Das dauerhafte Wohnen in einem Wochenend- oder Ferienhaus ist eine baugenehmigungspflichtige Nutzungsänderung, die nach den Regeln des Baugesetzbuches unzulässig ist", machte ihnen ein Mitarbeiter des Bauordnungsamtes klar. "In der Vergangenheit musste die untere Bauaufsichtsbehörde im Landkreis Parchim immer wieder feststellen, dass derartige Nutzungsänderungen ohne eine erforderliche Baugenehmigung erfolgten. In diesen Fällen musste die Dauerwohnnutzung untersagt werden", heißt es aus der Kreisverwaltung. Bei Betroffenen sei dies auf wenig Verständnis gestoßen. Einige zogen sogar vor das Verwaltungsgericht. "In allen bisherigen Fällen wurde die Rechtsauffassung des Landkreises bestätigt und die Dauerwohnnutzung musste aufgegeben werden", gibt sich die Behörde zufrieden.

Im Landkreis Parchim existieren rund 50 Wochenend- und Ferienhausgebiete mit etwa 1500 Häuschen. Die überwiegende Zahl dieser Gebäude sind vor der Wende entstanden und genießen damit baurechtlichen Bestandsschutz. Nach bundesdeutschem Baurecht gehören viele dieser meist landschaftlich reizvollen Gegenden zu Außenbereichen.

Wer seinen Bungalow aufrüsten will, stößt schnell an die Grenzen der geltenden Gesetze. Das Bauen in den mit Wochenend- und Ferienhäusern bebauten Bereichen ist stets genehmigungspflichtig. Lediglich Terrassenüberdachungen bis 30 Quadratmetern Größe und einer Tiefe bis zu drei Metern bilden eine Ausnahme. Mitarbeiter des Bauordnungsamtes stellen allerdings immer wieder fest, dass genehmigungspflichtige Veränderungen vorgenommen werden. "Niemand sollte darauf vertrauen, dass in abgelegenen Gegenden ein heimliches Bauen nicht entdeckt wird", meint ein Sprecher der Kreisverwaltung.

Bessere Karten haben Besitzer von Wochenend- oder Ferienhäusern, die in einem bebauten Ortsteil dem Innenbereich zugeordnet sind. Experten prüfen dann die Zulässigkeit im Rahmen vorhandener baulicher Anlagen.

In jüngster Zeit werden zunehmende Bauaktivitäten im Landkreis Parchim auch bei Bootshäusern beobachtet. Auch diese Aktivitäten rufen die Ämter auf den Plan.

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