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Lokales

21. Oktober 2017 | 01:43 Uhr

Wohnblöcke - ein Klotz für Kommunen

vom

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2010 | 07:02 Uhr

Güstrow | Sie sind nicht schön und auch nicht mehr zeitgemäß. Wohnblöcke auf den Dörfern, meist in den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gebaut, werden für die Gemeinden - heute häufig Eigentümer - mehr und mehr zur Last. Leerstände bis zu 40 Prozent sind keine Seltenheit. Kredite, für die Sanierung solcher Häuser in den 1990er-Jahren aufgenommen, und Altschulden drücken die Kommunen. Guter Rat ist teuer. Auf der einen Seite müsste längst wieder saniert werden, um ansprechenden Wohnraum anbieten zu können. Auf der anderen Seite fehlt das Geld dafür und auch die Hoffnung, dass es nützt.

In Recknitz, Spoitgendorf und Plaaz hat die Gemeinde Plaaz zusammen 35 Wohnungen, zehn davon stehen leer. "Der Trend geht wieder einmal zur Stadt", stellt Bürgermeister Holger Büttner für sich fest. Dort seien Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte auf kurzem Wege zu erreichen, ein gewichtiger Grund insbesondere für ältere Menschen ihre Heimatdörfer zu verlassen. Büttners vier Varianten, über die die Gemeinde in Zukunft nachdenken müsse: Verkauf der Wohnblöcke, Versteigerung, leer stehen lassen oder abreißen. So weit aber sei es noch nicht.

Kein Interesse an Wohnungen

In der Nachbargemeinde Diekhof hat man bereits vor Jahren abgerissen, zahlt aber weiterhin einen Sanierungskredit auf das Haus ab. "Richtig entschieden", sagt Bürgermeister Ralf Lenz dennoch. Von den verbliebenen 72 gemeindeeigenen Wohnungen stehen 14 leer. Besonderes Problem: Pölitz. "Zu weit weg von der Stadt sind Neubau-Wohnungen nicht interessant", stellt Lenz fest. Er denkt, dass man auf den Dörfern künftig über altersgerechtes Wohnen wird nachdenken müssen.

Wer sich heute auf einem Dorf ansiedelt, will ländlich leben mit Haus und Garten und nicht in einem Wohnblock, denkt Lohmens Bürgermeister Bernd Dikau. Ein Drittel der gemeindeeigenen Wohnungen stünde leer. Besonderes Problem: ein 24 WE-Block in Gerdshagen.

Besser stellt sich die Situation in Steinhagen dar. Nur vier von etwa 120 Wohnungen stehen hier leer. "Wir profitieren von der Nähe zur Stadt. In Bützow werden Wohnungen gesucht, wir können sie bieten", sagt Bürgermeister Hans-Joachim Frick. Bewährt habe es sich, Wohnungen dann zu modernisieren und zu renovieren, wenn es potenzielle Mieter gibt. Dennoch ist Frick nicht glücklich. Die Gemeinde habe seinerzeit 2,1 Millionen DM als Altlasten auf den Wohnungen übernommen. Ein Drittel davon sei man über eine Privatisierung von Wohnungen losgeworden. Heute könne die Gemeinde die Zinsen für die Altlasten tragen, für eine Kredit-Tilgung würde es nicht reichen.

Nach "einer politischen Lösung" schreit Langhagens Bürgermeister Karl Schütt. Er muss einen Leerstand von rund 40 Prozent beklagen. Kredite über rund zwei Millionen Euro (Altlasten und Sanierung) könne die Gemeinde kaum bedienen. Er würde sich wie sein Amtskollege Frick einen zumindest teilweisen Erlass der Altschulden wünschen.

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