Wohnbebauung erneut infrage gestellt

<strong>Offene Zukunft der Waisengärten: </strong>Noch in diesem Jahr  soll der erarbeitete Masterplan von der Stadtvertretung zu einem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gebracht werden. Doch jetzt regt sich erneut Kritik an dem Vorhaben. <foto>Rainer Cordes</foto>
Offene Zukunft der Waisengärten: Noch in diesem Jahr soll der erarbeitete Masterplan von der Stadtvertretung zu einem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gebracht werden. Doch jetzt regt sich erneut Kritik an dem Vorhaben. Rainer Cordes

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29. Juli 2010, 06:30 Uhr

Werdervorstadt | Erstmals in der mehr als 13-jährigen Diskussion um die Zukunft der Waisengärten gibt es eine mit allen Beteiligten abgestimmte Planung, die noch in diesem Jahr von der Stadtvertretung zu einem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gebracht werden könnte. Nach der dann folgenden Erarbeitung des B-Plans und der dazugehörigen Satzung könnten somit bereits im nächsten Jahr die Erschließungsarbeiten im ersten der drei geplanten Bauabschnitte in dem 8,4 Hektar großen Areal am Werder beginnen, in dem heute noch Kleingärten und Bootshäuser zu finden sind.

Entstehen sollen dort zwischen 250 und 300 Wohneinheiten in verschiedenen Gebäuden - vom Mehrgeschossbau bis hin zu Stadtvillen. "Eine klassische Einfamilienhaus-Bebauung wird es nicht geben", sagt Robert Erdmann, Geschäftsführer der Landesgrunderwerb Mecklenburg-Vorpommern GmbH (LGE), der die Fläche gehört. Dabei soll der grüne Charakter bewahrt, Uferzonen aber erschlossen werden. Nur etwa 60 Prozent der Gesamtfläche soll bebaut werden.

Aufgeschlüsselt sind diese Ziele in einem Masterplan, den die LGE erarbeitet und mit allen Beteiligten abgestimmt hat. Unter Federführung eines externen Stadtplaners hat es drei Treffen einer Projektgruppe gegeben, der neben den beiden Kleingarten- und den beiden Wassersportvereinen auch Vertreter der Bürgerinitiative, der IHK, des Ortsbeirates und der Vereine Lokale Agenda und Pro Schwerin angehörten - sowie auch Architekten und Stadtplaner. Gemeinsam entstanden Empfehlungen, die nun als Gesamtpaket der Stadtvertretung vorgelegt werden.

Doch genau an diesem Masterplan zweifelt der Stadtvertreter und Vorsitzende der Unabhängigen Bürger Schwerins, Rolf Steinmüller, obwohl er ihn doch selbst in der eigens einberufenen Projektgruppe mitdiskutiert und schließlich befürwortet hat. In einem Brief an alle Stadtvertreter bezeichnet Steinmüller die Beratungen im Frühjahr heute als "Alibi-Veranstaltungen" und ist sich sicher: "Die überwiegende Mehrheit will weiter für den Bestand ihrer geschaffenen Freizeitidylle kämpfen." Er fordert deshalb alle Kommunalpolitiker auf, "die Sommerpause zu nutzen, um alleine oder mit ihren Familien mal mit eigenen Augen die Gartenanlage zu durchwandern und einiges in der Stadt unter die Lupe zu nehmen".

Beim Eigentümer LGE dürfte diese Haltung verwundern - nicht nur, da Steinmüller selbst in der Projektgruppe mitgewirkt hat. Denn von einer "überwiegenden Mehrheit", die für ihre Gärten streiten will, spüre die LGE nichts, hatte die Geschäftsführung bereits vor Monaten erklärt. Obwohl viel Grün erhalten bleiben soll - laut Planung wird nur 60 Prozent der Fläche bebaut - müssen Gärten weichen. Die ersten beiden seien bereits der LGE übergeben worden. Die Pächter im ersten Bauabschnitt erhalten zum Jahresende ihre Kündigung. Betroffen sind etwa 30 Gärten ganz und weitere 20 in Teilflächen. Alle diese Pächter bekommen eine Entschädigung, obwohl das rechtlich nicht nötig wäre. Für die verbliebenen Kleingärten verlängert die LGE die Pachtverträge um ein weiteres Jahr. Sowohl die Kleingartenvereine Seeblick und Schwaneninsel als auch die Bürgerinitiative Werdervorstadt und der Ortsbeirat hatten in der Projektgruppe zur Entwicklung der Waisengärten mitgearbeitet und letztlich - gemeinsam mit Rolf Steinmüller - den Masterplan der LGE mit entsprechenden Empfehlungen ohne Gegenstimme verabschiedet (wir berichteten).

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