Wohin zieht der historische Markt?

Im Klosterhof gastierte der historische Weihnachtsmarkt noch in den vergangenen beiden Wintern. Er bleibt der Wunschstandort für die Organisatoren. Großmarkt/Thomas Ullrich
1 von 3
Im Klosterhof gastierte der historische Weihnachtsmarkt noch in den vergangenen beiden Wintern. Er bleibt der Wunschstandort für die Organisatoren. Großmarkt/Thomas Ullrich

svz.de von
22. Juni 2012, 10:53 Uhr

Im Klostergarten bleiben - oder doch umziehen? Und wenn ja, wohin? Der historische Weihnachtsmarkt bleibt in der Debatte um die geplante Sanierung des Klostergartens der größte Streitpunkt. Großmarkt-Chef Jörg Vogt und die Schausteller wollen am liebsten auf dem Gelände zwischen Stadtmauer und Kloster zum Heiligen Kreuz bleiben. Doch Kritiker wollen den mittelalterlichen Budenzauber zur Weihnachtszeit von dort verbannen. Zu groß seien die Schäden an der denkmalgeschützten Grünanlage, die die Buden von Traditions-Handwerkern und Gauklern und vor allem tausende Besucher dort hinterlassen.

"Die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr hat gezeigt: Der Markt dort ist toll, aber die Folgen sind nicht tragbar", sagte Susan Schulz (Grüne), Vorsitzende des Kulturausschusses bei der gemeinsamen Sitzung mit dem Ausschuss für Stadtentwicklung. Das Grundproblem ist, dass bei einer denkmalgerechten Sanierung der Garten des einstigen Damenstifts überwiegend grün und unversiegelt gestaltet werden müsste. Angemessen für eine viel besuchte Fläche wäre aber ein komplett befestigter Veranstaltungsplatz. Der Rostocker Landschaftsarchitekt Thomas Henschel dazu: "Das Dilemma ganz aufzulösen, ist unmöglich." Er hat im Auftrag der Stadt verschiedene Varianten von grün bis steinern untersucht und sie im Ortsbeirat und in den Ausschüssen vorgestellt.

Alter Markt, Uni-Hof und Jacobiplatz verworfen

"Alles, was versiegelt, lehnen wir nach wie vor ab. Wir wollen einen grünen Garten, so wie er jahrhundertelang am Kloster war", sagte Stadtkonservatorin Birgit Mannewitz in einer der Diskussionsrunden. Als alternativen Standort für den historischen Weihnachtsmarkt schlägt sie den Ziegenmarkt an der Marienkirche vor. "Der Platz ist historisch und ohnehin versiegelt." Auch der stellvertretende Vorsitzende des Stadt entwicklungsausschusses, Andreas Engelmann (Linke), spricht sich für diese Lösung aus. Ulrike Jahnel (CDU) bringt außerdem den Alten Markt ins Spiel. Der Vorsitzende des Bauausschusses, Frank Giesen (CDU), präferiert hingegen die Fläche hinter dem Rathaus, An der Hege.

Doch die Marktveranstalter sind von diesen Vorschlägen nicht begeistert. "Der Alte Markt liegt zu weit weg vom Zentrum und auf dem Ziegenmarkt gab es immer Probleme mit starkem Wind", sagt Vogt. In den vergangenen Jahren, in denen der historische Weihnachtsmarkt seine Zelte immer wieder woanders aufschlagen musste, habe sich der Klostergarten als bester Platz erwiesen. "An der Hege war es auch nicht optimal", so Vogt. Bereits geprüft und für ungeeignet befunden habe der Großmarkt außerdem den Jacobiplatz, den Rodelberg am Kröpeliner Tor, den Glatten Aal, den Universitätshof und den Parkplatz am Hopfenmarkt.

Vogt will endlich einen festen Standort für den historischen Weihnachtsmarkt. "Er zieht jährlich zwischen 70 000 und 100 000 Besucher an und ist ein Alleinstellungsmerkmal des Rostocker Weihnachtsmarktes", sagt er. Insgesamt locke die Veranstaltung 1,5 Millionen Besucher an und auch viele Touristen in die Hansestadt, argumentiert der Großmarkt-Chef. Der Organisator des historischen Marktes, Ulrich Keil, sagt: "Wenn wir dauerhaft am Kloster bleiben dürfen, werden wir bald zu den schönsten historischen Weihnachtsmärkten in ganz Deutschland gehören."

Um einen Kompromiss zu finden, hat Kultursenatorin Liane Melzer (SPD) Ämter und Großmarkt jetzt noch einmal an einen Tisch gebeten. Ergebnis: In den kommenden beiden Jahren kann der historische Markt noch im Klostergarten bleiben, weil bis dahin die Sanierung noch nicht beginnt. "Parallel wird dann noch einmal nach besseren Möglichkeiten gesucht", so Melzer. Im kommenden Winter wolle der Großmarkt zunächst versuchen, den Rasen mit Platten zu schützen.

Vogt betonte bisher in allen öffentlichen Diskussionen, dass er auf eine versiegelte Fläche nach der Sanierung auch verzichten könnte. "Der historische Markt würde den Rasen nach dem Winter auch selbst wiederherstellen." Fraglich bleibt allerdings, ob das den Anforderungen der Denkmalpflege gerecht würde. Denn das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege hält Nutzungen zwar grundsätzlich für zulässig. Aber die zuständige Dezernentin, Birgid Holz, betont: "Sie müssen temporär sein und sowohl Struktur als auch Substanz des Denkmals unbedingt bewahren."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen