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Lokales

23. November 2017 | 10:33 Uhr

Wohin Prignitzer Adressen wandern

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svz.de von
erstellt am 08.Okt.2010 | 08:00 Uhr

Prignitz | Einwohnermeldeämter geben Adressen von Bürgern auch an Firmen weiter, die zu Werbezwecken mit Daten handeln. Darüber berichtete in dieser Woche das ZDF-Magazin WISO. Vor unerwünschter Post im privaten Briefkasten sind auch die Prignitzer nicht gefeit, wie eine Recherche in den Meldeämtern der Städte Wittenberge, Perleberg und Pritz walk ergab.

Der Grund ist schnell erklärt. Rosemarie Wustrack, Sachbearbeiterin in der Perleberger Meldestelle, sagt: "Die so genannte einfache Auskunft muss erteilt werden." Jene beinhaltet Informationen über Vor- und Familiennamen, Doktorgrad und Anschriften sowie bedingt auch Geburtsdatum. Das sei eine normale Vorschrift, begründet in der Gesetzgebung des jeweiligen Bundeslandes, bestätigt Margitta Gremblewski, Leiterin des Standesamtes in der Stadtverwaltung Pritzwalk.

Die Auskünfte sind gebührenpflichtig. Dennoch könne man in der Prignitz nicht von einer lukrativen Einnahmequelle für die Kommunen sprechen, stellen die Leiterinnen der drei befragten Meldeämter klar. Jede Einnahmemöglichkeit sei natürlich wichtig, räumt Rosemarie Wustrack ein. "Für mich steht an erster Stelle jedoch der Persönlichkeitsschutz", so die Sachbearbeiterin.

Was das angeht, sind den Prignitzer Meldestellen allerdings die Hände insoweit gebunden, als dass die einfache Auskunft gegeben werden muss - und bei Glaubhaftmachung eines berechtigten Interesses auch die erweiterte Auskunft. Sie enthält zusätzlich u. a. frühere Vor- und Familiennamen, frühere Anschriften, Familienstand, Vor- und Familiennamen, Anschrift des Ehegatten oder Lebenspartners, Sterbetag und -ort.

Peter Schaar, Datenschutzbeauftragter der Bundesregierung, findet die derzeitige Regelung skandalös, wie er dem ZDF gegenüber deutlich machte. Im Internetzeitalter habe das eine neue Qualität gewonnen. Die Daten würden verwendet, um Profile zu aktualisieren, den Adresshandel effizienter und ertragreicher zu gestalten. Das Bundesinnenministerium will dem Fernsehbericht zufolge prüfen, ob und inwieweit bei Melde registerauskünften die Interessen der Allgemeinheit und des einzelnen Bürgers neu justiert werden müssen.

Es gibt aber auch eine kurzfristigere Möglichkeit, sich zu schützen. "Bürger können in ihrem zuständigen Meldeamt kostenfrei eine Auskunftssperre einrichten lassen", klärt Rosemarie Wustrack auf. Davon werde in Perleberg bereits relativ rege Gebrauch gemacht. "Es könnte aber durchaus noch mehr sein", so Wustrack. Ähnliche Erfahrungen machte Margitta Gremblewski in Pritzwalk. Marika Weise vom Wittenberger Bürgerbüro berichtet hingegen, dass die Elbestädter diesbezüglich noch zurückhaltend seien.

Alle drei Expertinnen sind sich übrigens einig, dass es den ganz großen Adress-Ausverkauf in der Prignitz wohl nicht geben werde. "Dafür sind wir einfach zu dünn besiedelt und somit nicht interessant genug", sagt Rosemarie Wustrack.

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