Wo das Christkind geboren wurde

 Sleiman Chames und Tochter Sara freuen sich auf einen ruhigen Heiligabend und viele Gäste an den Feiertagen. Petra Ferch
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Sleiman Chames und Tochter Sara freuen sich auf einen ruhigen Heiligabend und viele Gäste an den Feiertagen. Petra Ferch

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24. Dezember 2010, 01:57 Uhr

Wittenberge | Andere Länder - andere Sitten. Das trifft insbesondere auf die Advents- und Weihnachtszeit zu. Heute gehts nach Bethlehem.

Hier, wo Jesus vor 2010 Jahren geboren wurde, ist auch die Heimat von Sleiman Chames. Und seine Augen leuchten, wenn er an die Weihnachtsfeste in Palästina denkt. "Es ist dort Pflicht, dass die ganze Familie einmal zu Jesus Grab geht", erzählt er. Das gelte für die in Bethlehem lebenden Christen ebenso wie für Juden und Moslems.

Wie in Deutschland werde auch in seiner Heimat in den Tagen vor Heiligabend alles für das große Fest mit der Familie vorbereitet, "gehen die Leute auf den Markt einkaufen, wird ein Lamm geschlachtet und das Fleisch zubereitet für das Fest, "mit dem wir die Geburt von Jesus feiern. Alle kommen zusammen und essen gemeinsam", erzählt der Palästinenser. Auch Weihnachtsbäume gebe es in den Straßen und Häusern. "Und die Kinder erhalten Geschenke oder Taschengeld. Nur einen Weihnachtsmann wie hier in Deutschland gibt es nicht."

Doch das Schenken hat für die, die es sich leisten können, am Heiligabend nicht nur in der Familie symbolischen Wert, sondern auch darüber hinaus. "Es ist Pflicht für die Wohlhabenden, den Armen an diesem Tag etwas abzugeben, ihnen Speisen zu reichen oder Geld und andere Geschenke", beschreibt Sleiman Chames den Brauch in der Heimat. "Diese gute Tat muss man einmal im Jahr tun," bekräftigt er.

Für ihn, der seit 1981 in Deutschland lebt, seit einem Jahr in Wittenberge gemeinsam mit Tochter Sara die "Casa Mexiko", ein Lokal mit mexikanischer und italienischer Küche, am Stern betreibt, ist der Tag der Geburt von Jesus ein ganz besonderer. Deshalb auch bleibt sein Restaurant heute geschlossen. Nicht so an den beiden Feiertagen. Die sind zwar auch in seiner Heimat freie Tage, wie er erzählt, "da geht man auf den Friedhof und gedenkt der verstorbenen Angehörigen", doch hier in Deutschland ist er Gastwirt und natürlich für seine Gäste da.

Das Kochen hat der Palästinenser, der als 16-Jähriger nach Deutschland kam, "um mein Glück zu suchen", bei einer italienischen Gastwirtsfamilie in Berlin gelernt. Bis 1992 war er Angestellter, dann eröffnete er sein erstes eigenes Restaurant, schon damals mit italienischer und mexikanischer Küche. "In Berlin gibt es zwar viel Publikum, aber die Konkurrenz ist auch sehr groß, das Geschäft nicht einfach", erzählt er, warum er sich 2009 entschied, nach Wittenberge zu kommen. "Außerdem habe ich mir schon immer ein größeres Objekt gewünscht."

Die Prignitz mag er, "die Gäste sind angenehm und unsere Wohnungsnachbarn sehr nett. Sie laden uns oft ein", freut sich Sleiman Chames über die Gastfreundschaft. Auch Tochter Sara fühlt sich hier wohl. Was Wunder, ist sie ja auch gebürtige Deutsche, erblickte in Berlin das Licht der Welt. Trotzdem: "Mit meinen schwarzen Haaren sehe ich für die Leute doch anders aus. Fahre ich aber zu Besuch in Papas Heimat, dann bezeichnen mich die Leute dort als Deutsche", schmunzelt sie. Und dann erhält der Papa einen fragenden Blick. Ob es wohl heute Abend ein Geschenk gibt? Ganz sicher, meinen wir, denn schenken gehört ja zum Fest, in Bethlehem wie in Wittenberge.

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