Wittenberger Umbruch im Theater

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06. Februar 2010, 02:35 Uhr

wittenberge | Seit dem Sommer 2006 haben Wissenschaftler die Auswirkungen von Strukturwandel und Deindustrialisierung auf das soziale Gefüge hier in der Stadt in einem auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt untersucht. Die Erkenntnisse bilden die Grundlage für vier Theaterstücke, die Autoren im Auftrag des Maxim-Gorki-Theaters schrieben. Im April soll im Kultur- und Festspielhaus das Stück "Im Rücken die Stadt" von Thomas Freyer aufgeführt werden, informiert Sozialwissenschaftlerin Gabler.

Die große Fragestellung, die für die Wittenberger intensiv unter die Wissenschaftslupe genommen wurde, lautete: "Wie lebt, wie überlebt man in derartigen Umbruchsituationen? Wittenberge hat infolge des sozioökonomischen Umbruchs nach 1989 mit der Schließung seiner klassischen Industriebetriebe Tausende von Arbeitsplätzen und fast die Hälfte seiner Bevölkerung verloren", umreißt Julia Gabler die Situation, vor deren Hintergrund der schon erwähnte Thomas Freyer sowie die Autoren Fritz Kater, Philipp Löhle und Juliane Kann ihre Theaterstücke schrieben. Gabler betont: "Die Werke nehmen unmittelbar Bezug auf die Analysen der Sozialwissenschaftler."

Auf der Studiobühne des Gorki-Theaters hatte "Im Rücken die Stadt" von Thomas Freyer am 30. Januar Premiere. Hier in der Stadt soll das Stück die Begegnung von Wittenbergern mit Einwohnern der Stadt Pirmasens bereichern.Das Treffen ist in der Elbestadt geplant. Was Wittenberge im Osten ist Pirmasens im Westen - beide Kommunalwesen müssen mit Problemen fertig werden, die sich aus einem drastischen Strukturwandel ergeben. Der bekannte Soziologe Heinz Bude formuliert es so: "Zeigen sich die Lage der Nation und ihre Probleme nicht dort, an diesen beiden Orten, Wittenberge und Pirmasens, ganz deutlich? " Und er schlussfolgert daraus: "Nun muss man überlegen, wie verschieden man da und dort den Problemen begegnet. Wir müssen also die Angelegenheiten und unterschiedlichen Umgangsweisen zum Thema eines öffentlichen Gesprächs machen."

Genau das soll geschehen, wenn sich die Bürger beider Städte begegnen. Ein Vorgespräch in Pirmasens mit Wittenbergern hat stattgefunden. Einig sind sich Sozialwissenschaftler wie Stadtvertreter, dass es nicht ausreicht, wenn sich offizielle Amtsträger beispielsweise darüber austauschen, wie bei schrumpfender Einwohnerzahl und weniger Stadtgeld Schwimmbad, Bibliothek und Museum erhalten werden können, oder wenn es darum geht, ob und welche Perspektiven junge Leute in den Städten überhaupt noch haben, wie Bildung künftig organisiert wird.

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