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Lokales

23. November 2017 | 12:37 Uhr

Wittenberger auf Bewährung verurteilt

vom

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2011 | 06:39 Uhr

Neuruppin/Wittenberge | Der Fall: Der 58-jährige Hans-Jürgen W. hatte am 11. Juli vergangenen Jahres versucht, seine Frau umzubringen. Doch er brach die Tat ab. Wegen gefährlicher Körperverletzung im Zustand erheblich verminderter Steuerungsfähigkeit verurteilte die erste große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin den Angeklagten gestern zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

"Er ist eigentlich ein ganz harmloser Mensch." Das sagte gestern der Vorsitzende Richter Gert Wegner über den Angeklagten Hans-Jürgen W. Die Tat sei eine einmalige Entgleisung gewesen, so Wegner. Folgendes hatte sich am 11. Juli vergangenen Jahres im Haus der Eheleute W. in Wittenberge abgespielt: Hans-Jürgen W. hatte getrunken, war bereits geraume Zeit depressiv und aufgrund seiner Persönlichkeit nicht in der Lage, Gefühle zu zeigen und Eheprobleme auf den Tisch zu bringen. Die wurden totgeschwiegen. Stattdessen griff er immer häufiger zur Flasche, insbesondere seitdem seine Frau sich immer mehr von ihm zurückgezogen hatte. Am Tatabend, einen Tag vor der Silberhochzeit, ging er mit einem Kopfkissen bewaffnet zu seiner bereits im Bett liegenden Frau, setzte sich auf sie und drückte ihr das Kissen aufs Gesicht.

"Es ist erstaunlich, wie diese kleine Frau es geschafft hat, einen Lufttunnel mit ihren Händen herzustellen", sagte Richter Wegner. Sie müsse wohl in ihrer Todesangst übermäßige Kräfte entwickelt haben. Hans-Jürgen W. nahm sie dann in den Würgegriff und drückte ihr die Kehle zu. Sie kratzte ihn so im Gesicht, dass das Blut tropfte - er gab auf. Das werteten die Richter als freiwilligen und strafbefreienden Rücktritt vom Tötungsversuch. Davon müsse man nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten ausgehen, so Wegner. Das Kratzen mag schmerzhaft gewesen sein. Einen fest Entschlossenen hätte das aber nicht abgehalten, seinen Plan bis zum Ende durchzuführen. Das hat Hans-Jürgen W. aber nicht.

Statt wegen versuchten Mordes verurteilte ihn das Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung. Dabei ging es von einem minderschweren Fall aus, da das, was für den Angeklagten spreche, bei weitem überwiege. Das Gericht sah davon ab, ihn mit einer ambulanten Alkoholtherapie zu beauflagen. Hans-Jürgen W. saß nach der Tat bereits sechs Monate in einer psychiatrischen Klinik. Damit ist seine Strafe bis auf zwölf Tage verbüßt. "Es ist für Sie glimpflich abgelaufen", sagte Richter Wegner. Das sah der Angeklagte offensichtlich auch so. Er nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.

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