Wittenberge profitiert vom Zuzug

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01. Juli 2010, 07:47 Uhr

Wittenberge/Perleberg | Von einer regelrechten Flucht aus Wittenberge wie in den 90er Jahren kann nicht gesprochen werden. Ganz im Gegenteil: Allen Unkenrufen zum Trotz hat die Stadt dieses Image abgelegt und verweist auf Zuzugszahlen. Mit Stand vom 30. Juni haben in diesem Jahr zwar 295 Wittenberger die Stadt verlassen, aber 370 sind hergezogen, nennt Bürgermeister Dr. Oliver Hermann die brandaktuellen Zahlen.

"Das ist wirklich erstaunlich", kommentiert er, denn damit habe der positive Trend zugelegt. Auch die Zahl der Geburten sei mit 68 angestiegen, in der jüngeren Vergangenheit habe es im Schnitt 100 pro Jahr gegeben. Damit kristallisiere sich deutlich heraus, dass Zuzüge die Abwanderung ausgleichen und die Sterbefälle (141 seit Januar) den Einwohnerrückgang verursachen.

Nicht minder interessant ist der detaillierte Blick in die Statistik. Berlin und Hamburg belegen Spitzenplätze. Zogen 25 Wittenberge in die Hauptstadt, kamen sieben Berliner an die Elbe. Bei Hamburgern liegt das Verhältnis bei elf zu fünf. Blickt man weiter weg, kann Hermann mit einem weiteren Vorurteil aufräumen. Beispiel Nordrhein-Westfalen: Fünf Wittenberge zogen dorthin, neun Personen kamen zurück. "Wir hatten schon immer Zuzug aus den alten Bundesländern und in diesem Halbjahr ist das Verhältnis mit 49:49 ausgeglichen."

Die wachsende Bedeutung Wittenberges für das direkte Umland lässt sich ebenfalls belegen. 159 Personen zogen aus dem Landkreis in die Stadt und nur 95 aus ihr heraus. "Das zeigt unsere Attraktivität, aber dadurch fehlen Prignitzer Dörfern die Leute", so Dr. Hermann. Aus dem Landkreis Stendal kamen 38 Einwohner hinzu, zwölf zogen dorthin. "Wittenberge hat Bedeutung über die Elbe hinaus", interpretiert der Bürgermeister. Schwimm halle, Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte spielen aus seiner Sicht eine wichtige Rolle.


Auch die These, dass nur Ältere in die Stadt kommen, sei nicht haltbar. Bei den 0- bis 17-Jährigen sind es 56 (41 Wegzüge), bei den 18- bis 27-Jährigen 140 (110) und bei den 28- bis 40-Jährigen 80 (71). "Wir sind nicht nur Alterswohnsitz", sagt Oliver Hermann. Aktuell zählt die Stadt 18 944 Einwohner, alle Zahlen stammen aus dem Einwohnermeldeamt.

Perleberg im Plus

Entgegen aller Voraussagen sei die Kurve auch für Perleberg mit seinen Ortsteilen bei weitem nicht so sehr ins Negative gerutscht. 12 474 Einwohner haben gegenwärtig hier ihren Hauptwohnsitz, informiert Hans Rothbauer, amtierender Bürgermeister. Zum Vergleich: 2009 waren es 12 492. Vom 31. Dezember 2009 bis jetzt verzeichnet die Kommune 253 Weg- und 267 Zuzüge. Auffällig sei, dass sich Perleberg nach der Wende von der Verwaltungsstadt hin zu einer Stadt mit Gewerbe und Dienstleistung entwickelt hat. Die Gewerbegebiete sind zu 90 Prozent ausgelastet, auf den 20 Hektar im Schwarzen Weg haben über 40 Firmen ihren Sitz. Im Quitzower Gewerbegebiet hat sich vorrangig auch produzierendes Gewerbe angesiedelt.

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