zur Navigation springen
Lokales

11. Dezember 2017 | 19:42 Uhr

Wittenberge - eine Stadt hat Angst

vom

svz.de von
erstellt am 15.Apr.2011 | 07:45 Uhr

Wittenberge | Nach dem politischen Aufschrei formiert sich der Bürgerprotest gegen die geplante Schließung der Polizeiwache Wittenberge. Gestern gründete sich eine Bürgerinitiative (BI). Sie fordert den Erhalt der Wache und eine 24-stündige Besetzung. Zu den bisher schon schwergewichtigen Argumenten gesellt sich ein wesentlicher Aspekt: Das Gefühl der fehlenden Sicherheit. "Wir haben Angst", sagt Torsten Diehn als Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft und Vertreter der Wirtschaftsinitiative Westprignitz.

Vandalismus, Bedrohung, Prügelei - drei Beispiele aus den vergangenen Tagen, in denen die Wohnungsbaugesellschaft polizeiliche Hilfe anforderte. Keine Polizeiwache in einer Stadt dieser Größe und mit einer derart schwierigen sozialen Struktur, das sei nicht tolerierbar. "Wir müssen auch Angst um die hier getätigten Investitionen haben", betont Diehn.

Wie dramatisch die Situation werden kann, skizziert der pensionierte und langjährige Revierpolizist Peter Keller: "Schon jetzt haben die Kollegen Überstunden, einen hohen Krankenstand und sind demotiviert." Zwei Streifenwagen, manchmal nur einer, seien nachts im Einsatz. Einen weiteren Personalabbau hält Keller in diese Region für fatal. "Wie sollen die fünf verbleibenden Revierpolizisten draußen mit den Bürgern arbeiten?", fragt er. Eine Wachenschließung komme einer Einladung an Kriminelle gleich.

Besorgnis erregnd die Worte eines weiteren Insiders: "Zu 75 Prozent ist die Wache der Bundespolizei am Bahnhof nicht besetzt", sagt Heribert Wiebeck. Grund sei der Personalabbau. Eine komplette Schließung sei ebenfalls in der Diskussion. Anfallende Einsätze müssten die Kollegen der Landespolizei übernehmen.

Wiebeck verwies auf die Größe des Kreises. Beginnend in Gumtow ende das Einsatzgebiet weit hinter Lenzen. Die Polizeireform spiele mit dem Sicherheitsempfinden der Wittenberger. "Mit einem Strich werden Interessen von 20 000 Bürgern ignoriert", meint Wiebeck und befürchtet langfristige Folgen einer Wachenschließung, die heute noch nicht absehbar seien. "Hier stirbt Wittenberge", mahnt er.

Karsten Korup spricht von einer "Fehlentscheidung, die noch korrigiert werden kann". Dazu müsse Druck aus der Bevölkerung kommen. Für kommenden Mittwoch lädt die BI um 16 Uhr zu einer Einwohnerversammlung ins Rathaus ein. Dort sollen die Bürger informiert, sollen weitere Schritte beschlossen werden.

Gestern traten die rund 15 anwesenden Einwohner der BI bei. Initiator ist Siegfried Reinhardt. Er kritisiert, dass Innenminister Dietmar Woidke (SPD) bisher noch nicht auf den Brief der Wittenberger Fraktionsvorsitzenden reagiert habe. Am 2. Mai soll der Leiter des Aufbaustabes in der Prignitz sein. Mit ihm wolle die BI ebenfalls sprechen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen