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Wachstum von 2,5 Prozent erwartet : Wirtschaft sieht gutes Jahr kommen

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Zwei Drittel der Unternehmen in MV blicken mit Optimismus auf 2011. Wachstum, neue Arbeitsplätze, steigende Umsätze - so die Hoffnung. Die Stimmungslage hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert.

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erstellt am 04.Jan.2011 | 07:29 Uhr

Schwerin | Zwei Drittel der Unternehmen in MV blicken mit Optimismus auf 2011. Wachstum, neue Arbeitsplätze, steigende Umsätze - so die Hoffnung. Die Stimmungslage hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert. 69 Prozent der Firmen gegenüber 48 Prozent im Vorjahr sind hoffnungsvoll für das Geschäftsjahr 2011, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Unternehmer-Präsident Hans-Dieter Bremer gestern in Schwerin. Seine Dachorganisation der Unternehmensverbände vertritt 29 Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände im Land.

Bremer erwartet ein Wirtschaftswachstum von bis zu 2,5 Prozent, was im Mittelfeld der Deutschlandprognosen zwischen 1,6 und 3,1 Prozent BIP-Wachstum liegt. "Wir schätzen die Lage etwas verhaltener ein", so Bremer, "ursächlich dafür ist die geringe Industriedichte." Während sich die Krise im vergangene Jahr in MV nicht so drastisch niedergeschlagen habe, sei jetzt der Aufschwung auch etwas verlangsamt.

Die Erwartungen einzelner Branchen sind dennoch differenziert. Die Metall- und Elektro-Branche ist zum Beispiel optimistisch, dass sich der Aufschwung fortsetzt. Allerdings schreibt immer noch ein Drittel ihrer Unternehmen rote Zahlen. Der Schiffbau als industrielles Herz des Landes ist weiterhin stark angeschlagen. In der Bauwirtschaft werden für 2011 keine Wachstumsimpulse erwartet. Die Stimmung bei den unternehmensnahen Dienstleistern ist dagegen ausgesprochen optimistisch. Auch der Handel sieht ein gutes Jahr auf sich zukommen.

Die positiven Entwicklungen wirken sich auch auf die Beschäftigungsabsichten aus. Wollten im Vorjahr die meisten Unternehmen ihren Personalbestand stabil halten, so hat jetzt fast die Hälfte der befragten Unternehmen die Absicht, auch neue Mitarbeiter einzustellen. Deren Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr von 17 auf 44 Prozent gestiegen. Viele Unternehmen befürchten inzwischen, nicht genügend Bewerber für Stellen und Ausbildungsplätze zu finden. Sie rechnen mit einem ausgeprägten Fachkräftemangel, oder erleben ihn bereits.

Bremer spricht von 1000 Arbeitsplätzen allein im Dienstleistungsbereich. Die Arbeitsagentur Nord geht nach Aussagen von Landeschef Jürgen Goecke von 5000 neuen Stellen übers Jahr aus - besonders in der Altenpflege, in der Gesundheitsbranche aber auch im verarbeitenden Gewerbe und in Zeitarbeitsfirmen. Nach eigenen Angaben wollen der Kranhersteller Liebherr, die Reederei Aida und die Erndtebrücker Eisenwerke in Rostock ihr Personal aufstocken. Für 2011 rechnet Agenturchef Goecke deshalb auch mit einem weiteren deutlichen Rückgang der Erwerbslosigkeit in Mecklenburg-Vorpommern. Bis zum Oktober könnte die Zahl der Arbeitslosen gar auf 90 000 sinken, prognostizierte er.

Bremer fordert von der Landesregierung und Tarifpartnern ein Bündnis zur Fachkräftesicherung im Land. Der Unternehmerpräsident wörtlich: "Die Wirtschaft braucht in Zukunft jede Hand." Fast alle Branchen schätzen das Fehlen qualifizierter Mitarbeiter als mögliche Wachstumsbremse ein. Um dennoch flexibel zu bleiben, halten viele Unternehmen den Erhalt des Instruments Zeitarbeit für wichtig. Der deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht faire Löhne als einen der wichtigsten Bestandteile eines solchen Bündnisses. In dem Fachkräftepakt sollten sich die Bündnispartner zu attraktiven Arbeitsplätzen mit guter Bezahlung bekennen, hatte DGB-Landesvize Ingo Schlüter gefordert. Angesichts der demografischen Entwicklung sei das das Maß aller Dinge. Schlüter forderte eine Kurskorrektur in der Wirtschaftsförderung. Lohnkostenzuschüsse dürften künftig nur noch für Investitionen mit attraktiven Arbeitsplätzen gewährt, Jobs mit Billiglöhnen von der Wirtschaftsförderung hingegen ausgeschlossen werden.

In der Wirtschaft stieß die Lohnforderung bislang auf Zurückhaltung. Das habe in einem Fachkräftepakt nichts zu suchen und sei Sache der Tarifpartner, hieß es bei der Wirtschaftsvereinigung.

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