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Bützow: Kunstfreunde fallen aus allen Wolken : Wird das "Kunsthaus" verkauft?

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Viele Jahre stand das Haus Langestraße 20 in Bützow leer. Dann hatte Karl-Werner Zießnitz eine Idee. Der pensionierte Kunsterzieher machte das Haus zu einer angesagten Adresse für Kunstliebhaber. Nun droht das Aus.

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erstellt am 07.Apr.2012 | 08:32 Uhr

Viele Jahre stand das Haus Langestraße 20 in Bützow leer. Dann hatte Karl-Werner Zießnitz eine Idee. Der pensionierte Kunsterzieher machte das Haus mit den 18 Zimmern und einem Gewölbekeller zu einer angesagten Adresse für Kunstliebhaber. Seit über drei Jahren ist das Kunsthaus nicht nur Heimstatt für 20 regionale Künstler. Es ist eine Top-Adresse für Kunstschaffende weit über die Region hinaus, die in Bützow ausstellen und ausstellen wollen. Nun droht das Aus. Ein Käufer soll sich für das Haus gefunden haben.

"Es hat jemand sein Interesse angemeldet, das Objekt zu kaufen", bestätigt Bürgermeister Sebastian Constien. Es habe bereits ein Gespräch dazu stattgefunden, bei dem auch über Zahlen geredet wurde.

"Wir sind von Seiten der Stadt angehalten, wenn ein gutes Angebot kommt, darüber nachzudenken und Initiativen zur Privatisierung von städtischen Häusern zu fördern", so der Bürgermeister. Doch liege der Stadt ebenso daran, das Engagement der Familie Zießnitz auf kulturellem Gebiet zu erhalten. Deshalb sei mit dem potenziellen Käufer auch darüber gesprochen worden, welche Möglichkeiten er dafür sieht. Die Überlegungen des Investors gehen in die Richtung, im Erdgeschoss vielleicht ein Kunstcafé einzurichten, in dem Bilder aufgehängt werden. Aber Konkretes könne man dazu noch nicht sagen, so Sebastian Constien.

"Er habe immer gewusst, dass das Projekt Kunsthaus einen ungewissen Ausgang haben würde", sagt Karl-Werner Zießnitz. "Wir wünschen uns aber natürlich, dass das Kunsthaus bestehen bleibt", betont er. Das Ganze sei eine sehr "heikle Geschichte". Denn einerseits stehe das Kunsthaus natürlich zu der vor Jahren getroffenen Absprache, dass es auszieht, wenn sich ein Interessent für das Haus findet. Andererseits müsse man aber auch sehen, dass das Kunsthaus inzwischen zu einem Projekt geworden ist, das eine Bedeutung für die Stadt hat und das man nicht so einfach aufgeben sollte. Dazu sei auch zu viel Kraft und Initiative in das Projekt geflossen. "Hätten wir das Haus nicht zu dem gemacht, was es heute ist, wäre es schon verfallen", gibt Karl-Werner Zießnitz zu bedenken.

Immer wieder gern besucht auch die Bützowerin Brigitte Beck die Kunststätte in der Langestraße. "Das Kunsthaus ist auf jeden Fall eine Bereicherung für die Stadt, viele gehen da gerne hin. Das, was von Familie Zießnitz dort an Ausstellungen und Begegnungen mit den Künstlern auf die Beine gestellt wurde, ist ein Riesengewinn für Bützow." Der Verlust dieses Hauses würde ihr in der Seele weh tun, sagt Brigitte Beck.

"Es wäre für den Standort Bützow, der vom Tourismus leben will, eine Katastrophe, wenn das Kunsthaus den Bach hinunter gehen würde. Das würde bedeuten, dass etwas, das in privater Initiative entstand und das eine Ermutigung auch für alle Kulturschaffenden in der Region ist, mit einem Schlag dahin wäre", meint der Bützower Rainer Katzer, einer der ständigen Aussteller im Kunsthaus. Es wären zwei Schläge auf einen Streich: Einerseits würde Bützow ein Alleinstellungsmerkmal verlieren, das es abhebt von anderen Städten, zweitens würde Initiative zunichte gemacht, so die Meinung von Rainer Katzer.

Den vom Investor ins Auge gefasste Aufbau eines Kunstcafés in dem Haus hält Karl-Werner Zießnitz zwar für eine schöne Idee, doch sei dies keine Alternative für das ursprüngliche Anliegen des Kunsthauses, sagt er. Denn dieses bestünde darin, "den Künstlern unserer Region ein ständiges Ausstellungs-Forum zu geben." Und dies sei in einem kleinen Café nicht möglich.

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