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Neustadt-Glewe: Geschwister-Scholl-Denkmal entfernt : Wirbel um das Ende eines Denkmals

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Und plötzlich war es weg. Auf dem Platz zwischen dem Neustädter Schloss und der Alten Post hatte das Monument jahrzehntelang gestanden. Seit 83 Jahren, um genau zu sein.

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erstellt am 08.Jul.2011 | 08:42 Uhr

Neustadt-Glewe | Und plötzlich war es weg. Auf dem Platz zwischen dem Neustädter Schloss und der Alten Post hatte das Monument jahrzehntelang gestanden. Seit 83 Jahren, um genau zu sein - diese Zahl nennt jedenfalls der Stadthistoriker Gerhard Düker. Erst erinnerte das Denkmal an die Neustädter Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges dann an die Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl. Seit einer Woche ist von dem großen Sockel nichts mehr zu sehen. Lediglich eine braune Stelle auf dem Rasen deutet noch darauf hin, dass hier einmal etwas gestanden haben muss.

Nicht allen Neustädter schmeckt das Ende des Denkmals. Gerüchte kursieren, Vermutungen machen die Runde. Überstürzt und geheimnisvoll kam vielen die Demontage vor. "Die Bagger arbeiteten hinter einem Sichtschutz und auch, dass die Arbeiten an einem Sonnabend durchgeführt würden, kommt mir komisch vor", sagt ein Mann, der anonym bleiben möchte (Name ist der Redaktion bekannt). In der Tat klingt das Ende des Geschwister-Scholl-Denkmals auf den ersten Blick nach einer Nacht-und-Nebel-Aktion.

Doch aus dem Mund von Bürgermeister Arne Kröger hört sich die Geschichte ganz anders an. Er nennt Baufälligkeit als Grund für den Abriss. Auch für die Art der Arbeiten liefert er Argumente. "Bei der blauen Plane handelte es sich nicht um einen Sichtschutz, sondern um einen Spritzschutz, um bei den Arbeiten nicht die Autos auf dem angrenzenden Parkplatz zu beschädigen", so Kröger. Schließlich sei mit einem Stemmmeißel gearbeitet worden. Auch für die Durchführung der Arbeiten an einem dafür eher unüblichen Sonnabend, hat der Bürgermeister eine plausible Erklärung: "Das Baggergerät ist unter der Woche kaputtgegangen, deshalb konnte die beauftragte Firma erst am Sonnabend mit den Arbeiten beginnen", so Kröger. Vonseiten der Stadt sei kein Druck auf die Baufirma ausgeübt worden. Weil die Firma ihre Folgeaufträge jedoch eng getaktet habe, seien die Arbeiten am Sonnabend ausgeführt worden. Möglich war der Abriss auch deshalb geworden, weil das Monument nicht in der Denkmalliste geführt wurde.

Auch anderen Bedenken einiger Neustädter kann Kröger den Wind aus den Segeln nehmen. Es war etwa die Vermutung aufgetreten, das Denkmal müsse einem Bauvorhaben des Käufers der Alten Post weichen. "Es gibt keinerlei Zusammenhang mit einer durch einen Dritten durchgeführten Baumaßnahmen", bekräftigt Kröger hingegen.

Auch, dass eine Kartusche, die bei Bau des Monumentes in dessen Inneren einbetoniert worden war, verloren gegangen sei, war befürchtet worden. Doch die Kartusche liegt sicher im Rathaus, soll im nächsten Kulturausschuss feierlich geöffnet und dann dem Museum übergeben werden. Gerhard Düker vermutet, dass sich in dem Behältnis eine Liste der Neustädter Opfer des Ersten Weltkrieges befindet. Auch die Marmorplatten des alten Sockels lagern schon im Stadtmuseum und warten darauf, ausgestellt zu werden.

Ein neues Geschwister-Scholl-Denkmal gibt es seit Montag auch schon: Ein Findling auf dem Geschwister-Scholl-Platz, vor der Grundschule. "Die Wahl ist auf diesen Ort gefallen, weil der Platz ebenfalls diesen Namen trägt und die Nähe zur Schule aus unserer Sicht sinnvoll ist", so Kröger. Ob alle Neustädter die Argumente ihres Bürgermeisters teilen, bleibt abzuwarten.


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