"Wir stellen uns stur"

Mit einem einstimmigen Beschluss, den die Bad Wilsnacker Stadtverordnetenversammlung vorgestern Abend fasste, will die Kurstadt bezüglich der Ansiedlung eines zweiten Discounters Tatsachen schaffen. Zu lange sucht man bereits nach einem geeigneten Standort.

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23. April 2009, 09:19 Uhr

Bad Wilsnack | "Wir müssen uns mal stur stellen", fasst Hans-Dieter Haas (FDP) die Diskussion zusammen. Sie endete am Mittwochabend mit einem einstimmigen Votum für die Ansiedlung eines Supermarktes im Gutshof am Standort des jetzigen Schützenhauses, unweit des denkmalgeschützten Goetheparks. In den vergangenen Monaten seien Flächen im Bereich "Grüner Weg" sowie am nördlichen und südlichen Stadtrand geprüft worden, nachdem es Anfragen von Investoren gegeben hatte. Mit den jeweiligen Eigentümern konnte man sich allerdings nicht einigen, heißt es in der Beschlussvorlage, die der Bauausschuss eingebracht hatte. Und am besten aufgehoben sei ein zweiter Supermarkt ohnehin in der Innenstadt. Der Beschluss vom Mittwochabend soll den Willen der Wilsnacker festzurren. Er steht - noch - nicht im Zusammenhang mit einer konkreten Investition.

Die Schützengilde, so Bürgermeister Dietrich Gappa, habe Gesprächsbereitschaft signalisiert, wenn es zu einem späteren Zeitpunkt darum gehe, ein alternatives Domizil zu finden. Die untere Denkmalbehörde des Landkreises hingegen habe bereits "erhebliche Bedenken" geäußert, informierte der Bürgermeister. Knackpunkt sind demnach die Parkplätze, die der Discounter benötigt. Dafür sei eine Grenzbebauung zum Goethepark nötig, die seitens des Landesparkpflegers genehmigt werde müsse. "Wir möchten die Ansiedlung aber hier haben", bekräftigten am Mittwoch nicht nur Dietrich Gappa und Hans-Dieter Haas.

Der Versammlungsraum in der Karthanehalle war auch gut gefüllt mit interessierten Bürgern, darunter Apothekeninhaber Christian Richter. Er ist selbst am Gutshof ansässig, kündigte im Januar an, den Standort mit Auslaufen seines Mietvertrages zu verlassen, wenn nicht endlich der seit langem herbeigesehnte zweite Markt angesiedelt werde. Was an Kundenströmen in Bad Wilsnack in den vergangenen Jahren weggebrochen sei, könne er an Hand der Auswertung seiner Rezeptdaten eindeutig belegen. Die Nicht-Ansiedlung bringe der Stadt eindeutig wirtschaftlichen Schaden. Dietrich Gappa räumte ein, dass die Ankündigung Richters Anfang dieses Jahres den letzten Ausschlag für diese Beschlussfassung gegeben habe.

Was die Kaufkraft angeht, kann sich Bad Wilsnack jetzt gar in einer aktuellen Studie der GfK "Geo Marketing" GmbH sonnen: Im Vergleich mit allen anderen Städten des Landkreises liegt Bad Wilsnack auf Rang 1, gefolgt von Karstädt und Meyenburg. Noch ein Argument mehr, diese Kraft abzuschöpfen, und zwar zum Vorteil der Kurstadt, so das Stadtparlament. Die Abgeordneten jedenfalls scheinen fest entschlossen, das Vorhaben nicht von denkmalpflegerischen Bedenken kippen zu lassen.

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