"Wir sind eine große Clique"

Christoph Siegmund (l.) und sein Team-Kollege Danny Mislisch wechseln noch einmal die Reifen, bevor es los geht.
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Christoph Siegmund (l.) und sein Team-Kollege Danny Mislisch wechseln noch einmal die Reifen, bevor es los geht.

Starter Mario Kinas schwenkt die rote Fahne, es geht los. Die Rasenmähertrecker setzen sich mit knatternden Motoren in Bewegung. Auf diesen Moment am Sonnabend haben die 21 Teilnehmer der Rallye in Pogreß lange hingearbeitet.

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25. Mai 2009, 06:52 Uhr

Pogreß | Seine Klamotten, seine Brille, sein Gesicht - alles voller Modder. Christoph Siegmund kommt gerade von einer Proberunde auf der Rennstrecke zurück und ruft seinem Team-Kollege Danny Mislisch zu: "Ich nehme doch die glatten Reifen, die rutschen besser in den Kurven." Die beiden Pinneberger nehmen als Profis an der Rasenmähertrecker-Rallye in Pogreß teil. "Team Maschin kaputt" nennen sie sich, weil sie die Rennen am Anfang ihrer Karriere zum Großteil damit verbracht haben, ihre Fahrzeuge zu reparieren.

Inzwischen sind die gelben Flitzer, die 20 PS haben, jedoch nur noch selten kaputt. Dafür haben die gelernten Landmaschinenmechaniker gesorgt. Nur ab und zu bleibt mal ein Reifen auf der Strecke, wie im vergangenen Jahr in Pogreß. Das sei nicht außergewöhnlich, sagt Christian Marten, Organisator der Rallye, die im Rahmen des Pogreß-Festivals stattfindet. Es komme auch mal vor, dass ein Fahrzeuge liegen bleibe.

Der Original-Rasenmähertrecker von Diana Zaschke-Scharfenberg und Sybille Zaschke zum Beispiel hat noch nicht einmal die Proberunde überlebt. Der Keilriemen ist gerissen. Ärgerlich, denn die beiden Frauen aus Pogreß haben sich bei der Vorbereitung Mühe gegeben, haben ihr Fahrzeug als Wolke dekoriert und sich selbst als Engel verkleidet. Alles umsonst? Während die anderen schon die ersten Rennen fahren, versuchen ihre Männer noch zu retten, was zu retten ist.

Ein Hobby, das viel Know-how erfordertChristian Marten weiß, dass die "Rasenmähertrecker-Gemeinde" von vielen Leuten belächelt wird. "Aber hinter diesem Hobby steckt eine ganze Menge Know-how", sagt er. Teilnehmer Manuel Hensen aus Pogreß, der mit seinem grell orange farbenen Trecker in der Amateur-Klasse antritt, hat sich dieses Know-how selbst angeeignet. "Ich habe es einfach ausprobiert und lange genug rumgeschraubt", erzählt der Fliesenleger, der schon zum dritten Mal mit dabei ist. Mittlerweile sei an seinem Fahrzeug fast nichts mehr, wie es einmal war. Der Motor beispielsweise stamme von einem Ost-Motorrad. Nur der Rahmen und die Reifen seien noch original. Wer solch ein aufwendiges Hobby hat, muss viel Zeit investieren; vor dem Rennen war Manuel Hensen täglich mit den Vorbereitungen beschäftigt.

Auch bei Christoph Siegmund nimmt das Hobby einen Großteil der Freizeit ein. Im Mai war er jedes Wochenende unterwegs, seine Mutter Anja Siegmund meist mit dabei. "Mutters ist für die Verpflegung zuständig und hat den Arzneikoffer verstaut", erklärt sie und lacht, denn der ist bei Christoph zum Glück noch nie zum Einsatz gekommen. Trotzdem stehe ihr manchmal der Angstschweiß auf der Stirn, wenn sie ihren Sohn beim Fahren beobachte. Einige Strecken seien nämlich nicht ganz ohne. Doch Anja Siegmund akzeptiert das Hobby ihres Sohnes, fühlt sich in der "Rasenmähertrecker-Gemeinde" selbst wohl. "Wir sind eine große Clique", sagt sie.

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