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Lokales

16. Dezember 2017 | 19:56 Uhr

"Wir sind die Opfer"

vom

svz.de von
erstellt am 18.Mai.2010 | 08:40 Uhr

Prignitz | Sie sind schockiert und erschüttert, können nicht fassen, dass ihre Mutti Opfer eines Familienstreites wurde, an dem sie selbst gar nicht beteiligt seien. Gestern beendete Familie Thiemig ihr Schweigen und spricht öffentlich über die schreckliche Tat vom vergangenen Samstag.

Am späten Nachmittag hatte ein 56-jähriger Mann auf einer Jugendweihefeier bei Hinzdorf das Festzelt betreten und mit einer Pistole geschossen. Die Kugel galt offenbar seinem jüngeren Bruder, streifte diesen aber nur und traf die dahinter stehende Karin Thiemig. Die 67-Jährige verstarb wenig später an ihren schweren, inneren Verletzungen.

"Unsere Mutti war zur falschen Zeit, am falschen Ort", sagen ihre sieben Kinder. Zwar sei sie zur Feier eingeladen gewesen, sei aber nicht die Uroma des Mädchens, das ihre Jugendweihe feierte. "Zwischen unserer Familie und der des Schützen bestehen überhaupt keine verwandtschaftlichen Beziehungen", sagen Thiemigs. Sie könnten sich nicht erklären, wie dieser falsche Fakt in die Öffentlichkeit gelangte. "Wir geben daran aber niemanden die Schuld, sondern möchten das hiermit nur klar stellen."

"Ein Enkel unserer Mutti hat eine Lebensgefährtin mit zwei Kindern und die waren zur Jugendweihe eingeladen", erklären Thiemigs. Nur deshalb hätten ihre Mutter sowie eine ihrer Schwestern mit ihren zwei Söhnen an der Feier teilgenommen. "Welche Zwistigkeiten in der anderen Familie auch immer zu dieser schrecklichen Tat geführt haben mögen, wir sind nur die Opfer, unsere Mutti ist tot."

Niemand wolle wissen, wie es ihnen geht. "Nachbarn, Bekannte, Kollegen fragen nur, was in unserer Familie los sei. Sogar in der Schule wurden einige unserer Kinder angesprochen." Das sei belastend, gehe es ihnen in diesen Tagen doch wahrlich nicht gut.

"Unsere Schwester stand direkt neben Mutti, sie ist sozusagen in ihren Armen gestorben." Außerdem habe der Schütze gedroht, sie ebenfalls zu erschießen. "Dabei wollte sie dem Verletzten nur helfen." Auch die zwei Söhne ihrer Schwester seien noch immer schockiert, sie haben ebenfalls alles mit ansehen müssen, ohne helfen zu können.

Einen Dank richtet Familie Thiemig an die Prignitzer Polizei: "Sie hat uns sehr beigestanden und auch im Krankenhaus wurden wir gut betreut." Auf eine Entschuldigung von der Familie des Täters würden sie bisher vergeblich warten. "Das wäre uns sehr wichtig, aber selbst als wir uns am Montag auf dem Zeltplatz sahen, fiel kein Wort", so Thiemigs.

Nach dem bisherigen Ermittlungsstand haben wohl Streitigkeiten in der Familie des Schützen zu dieser Tat geführt. Der Todesschütze soll offenbar seine Schwester gesucht haben. Zu dieser soll er Gefühle gehegt haben, die laut dem Neuruppiner Staatsanwalt Dr. Andreas Pelzer "über ein rein geschwisterliches Verhältnis hinausgingen".

Der Schütze sei in der Vergangenheit bereits wegen Gewalttaten in Erscheinung getreten, berichtete gestern An dreas Pelzer. Zur Tat selbst schweige er. Seinem angeschossenen 42 Jahre alten Bruder gehe es besser. Man hoffe, ihn bald befragen zu können. Die Waffe, aus der nur ein Schuss im Magazin fehlte, wird Pelzer zufolge weiter untersucht.

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