"Wir nehmen Einbrüche sehr ernst"

Parchim idyllisch aus der Luft betrachtet: Statistisch ein sicheres Pflaster, Opfer von Einbrechern sehen das oft anders.Foto: Thomas Zenker
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Parchim idyllisch aus der Luft betrachtet: Statistisch ein sicheres Pflaster, Opfer von Einbrechern sehen das oft anders.Foto: Thomas Zenker

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26. März 2010, 07:30 Uhr

Parchim | Eine umgekippte Skulptur erregt offenbar mehr Aufsehen als eine Reihe von Einbrüchen in Parchimer Geschäfte. Dieses bittere Fazit ziehen Mitglieder der Interessengemeinschaft der Einzelhändler Parchim. Sieht das auch die Polizei so? "Ganz klar nein", sagt Ulf Theodor Claassen, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Parchim, "wir nehmen Einbrüche sogar ernster. Hier handelt es sich nämlich unter Umständen um einen überörtlich agierenden Täterkreis." Dagegen sei das Umkippen einer Skulptur, wie zuletzt mit Wieland Schmiedels Core vor dem Stadthaus geschehen (SVZ berichtete), streng genommen nur Sachbeschädigung. Ob in den vergangenen Monaten gestohlene Kettensägen, Zigaretten, ganze Tresore oder Waffen, im Gespräch mit Einzelhändlern in Parchims Innenstadt ist Unsicherheit zu spüren - und Skepsis gegenüber der Polizeiarbeit. Dabei verweist Parchims PI-Chef auf ein ganzes Maßnahmenpaket, von dem die Öffentlichkeit nicht unbedingt immer etwas mitbekommt. Selbstverständlich seien auch nachts zusätzliche Zivilstreifen unterwegs, die bestimmte Schwerpunkte im Auge haben. Deren Sinn sei es, gerade nicht als Ordnungshüter erkannt zu werden. Ihnen gelang es zum Beispiel in der vergangenen Woche, jenen Parchimer zu stellen, der seine Küchenabfälle eimerweise in die Elde werfen wollte. Die Polizeiarbeit beginne aber schon vor der Tat. Ulf Theodor Claassen: "Wenn wir konkrete Hinweise auf überörtliche Täterkreise haben, sprechen wir die möglichen Opfer vorher an." Ilka Ehlert vom Sachbereich Prävention: "Wenn wir wissen, was im Fokus der Täter liegt, informieren wir. Derzeit sind Kettensägen, Buntmetall und Dieseltreibstoff Ziel von Einbrechern. Wir gehen deshalb offensiv auf gefährdete Bürger zu und geben auch Hinweise zur besseren Sicherheit." Momentan haben Täter besonders die Montagewagen von Handwerkern im Blick. Oft vollgestopft mit teurem Werkzeug, sind sie leichte Beute. Sollten Einbrecher dennoch zugeschlagen haben, gilt eine Regel: Nichts anfassen, nicht durch den Laden laufen. Dann haben es die Spezialisten von der Kripo leichter, Spuren zu finden. Heute ist es längst üblich, auch bei Einbrüchen mit moderner DNA-Analysetechnik zu arbeiten. Der Sicherheitscheck vor Ort ist für Gewerbetreibende kostenlos. Die Geschäftsleute könnten sicher sein, dass die Polizei den"gesetzlich vorgesehenen Schutz" gewährleiste. Nur sei auch klar, dass sie keinen flächendeckenden Objektschutz bieten könne, stellt Parchims PI-Chef klar. Es gebe aber Angebote privater Sicherheitsfirmen. Die vertragliche Zusammenarbeit der Polizei mit der Parchim Wacht sei zum Beispiel einmalig in Westmecklenburg. Nicht umsonst liege die Aufklärungsquote mit 56,8 Prozent im Bereich der Parchimer PI höher als im übrigen Westmecklenburg. Statistisch leben die Bürger hier zudem sicherer als andernorts. Auf 100 000 Einwohner gerechnet zählten die Polizeibeamten 2007 im Landkreis Parchim 6703 Fälle, im Kreis Nordwestmecklenburg 6732, im Kreis Ludwigslust sogar 7378 Fälle. Landesweit liegt die Häufigkeitszahl bei 8900. Neue Daten stehen kurz vor der Veröffentlichung.

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