zur Navigation springen

Ilona Ventzke spendete Niere für ihren Mann Claus zum 39. Hochzeitstag : "Wir können in den Urlaub fliegen"

vom

Vor einer Woche hatten Ilona und Claus Ventzke aus Cramonshagen Urlaub gemacht. So wie auch schon im Jahr zuvor. Und doch war es anders, denn Claus musste nicht mehr dreimal die Woche nach Schwerin zur Dialyse.

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2011 | 08:22 Uhr

Cramonshagen | In der vergangenen Woche hatten Ilona und Claus Ventzke aus Cramonshagen Urlaub gemacht, auf dem Campingplatz in Wohlenberg. So wie auch schon im vergangenen Jahr. Und doch war es ganz anders, denn Claus Ventzke musste nicht mehr dreimal in der Woche nach Schwerin zur Dialyse fahren. Seine Frau hatte ihm eine ihrer Nieren geschenkt, zum 39. Hochzeitstag am 3. März.

Claus Ventzke ist 63 Jahre alt, seine Frau fünf Jahre jünger. Sie arbeitet als Service-Assistentin in den Helios-Kliniken. Claus Ventzke war selbstständiger Fliesenleger und hat von 1992 bis 2005 seine Firma gut in Schuss gehalten. "Dann wurde ich Frührentner. Die Nieren spielten nicht mehr mit", sagt er. "Schon seit Ende der 90er-Jahre bin ich in Behandlung. Aber es wurde immer schlechter."

Beschränkungen in der täglichen Trinkmenge mit oft quälendem Durst, eine strenge "Dia lysediät" und Einschränkungen bei Reisen beeinträchtigten seine Lebensfreude.

"Als wir von der Nierenspende von Herrn Steinmeier für seine Frau erfuhren, haben wir unseren Arzt gefragt, ob ich auch eine Niere für meinen Mann spenden könnte", erzählt Ilona Ventzke. "Und der Arzt hat ja gesagt."

Der Politiker Frank-Walter Steinmeier hatte im August 2010 eine Auszeit genommen, um seiner kranken Frau eine Niere zu spenden. Der erfolgreiche Verlauf wurde von den Medien gemeldet. In der Vergangenheit herrschte überwiegend die Meinung vor, dass die Organspende zwischen Nicht-Blutsverwandten aufgrund der schlechteren Gewebeübereinstimmung nicht möglich sei.

"Aufgeregt waren wir beide, als der OP-Termin heranrückte", berichtet Ilona Ventzke. "Um 7 Uhr kam ich in den OP und um 10.30 Uhr war ich schon wieder auf dem Zimmer. Alles war gut verlaufen. Am nächsten Tag hat die Ärztin gesagt, dass die Niere bei meinem Mann bereits arbeitet. Bei manchen dauert es eine Woche, bis das fremde Organ wirksam wird." Ihren Hochzeitstag haben die beiden in der Uni-Klinik Rostock gefeiert, lagen beide zusammen in einem Zimmer. "Die Kinder kamen zum Gratulieren und hatten Kuchen mitgebracht. Aber uns war nicht nach Kuchen", schildert Ilona Ventzke den Ehrentag, an dem es beiden noch nicht besonders ging, wie sie es heute sehen. "Körperlich geht es meinem Mann jetzt weitaus besser", meint die tapfere Frau. Deshalb planen wir für den Herbst eine Flugreise nach Mallorca."

Das Paar hatte sich seit Beginn der Dialysebehandlung nicht mehr ins Ausland getraut. Jetzt muss Claus Ventzke noch viele Tabletten einnehmen und soll im ersten halben Jahr nach der OP nichts Rohes essen. "Er darf kein Gehacktes essen, Eier müssen ganz hart gekocht sein und Frischkäse ist verboten," erzählt seine Frau. "Aber ab September, wenn es nach Mallorca geht, kann er wieder fast alles essen." "Süßes muss ich meiden, denn die Tabletten haben eine Diabetes ausgelöst", erklärt Claus Ventzke. "Aber das kann sich wieder geben, wenn die Tabletten reduziert werden."

"Als seine Nieren versagten, musste Claus vor allem darauf achten, dass er nicht zu viel Flüssigkeit zu sich nahm", sagt seine Frau. "Jetzt kann er zwei Liter am Tag trinken." Die 58-Jährige resümiert: "Ich bin froh, dass wir das gemacht haben. Einen Organspenderausweis hatte ich schon immer. Deshalb finde ich auch gut, dass jetzt über ein neues Organspendegesetz diskutiert wird."

Ein von den Landesgesundheitsmi nistern vorgestellter Vorschlag sieht vor, dass künftig jeder Bürger erklären soll, ob er nach seinem Tod Organspender sein will. 4205 Organe von 1296 Spendern im vergangenen Jahr - das kann den Bedarf nicht decken. Laut Statistik sterben hierzulande täglich drei Menschen, die auf der Warteliste stehen, aber nicht versorgt werden können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen