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Tag des offenen Denkmals : „Wir haben noch nicht alles gezeigt“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Stadtkonservatoren gewähren am Sonntag Einblick in Rostocks gemauerte Schätze

von
erstellt am 08.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Die wenigsten Rostocker kennen es, das alte Telegrafenamt in der Buchbinderstraße 1-3 am Glatten Aal. „Es hat eine Qualität wie das Ständehaus“, sagt Stadtkonservatorin Uta Jahnke. Nur sieht man von außen nichts mehr. „Die wunderschönen Staffelgiebel wurden zurückgebaut und verputzt. Das Dach hatten noch Bombensplitter in Mitleidenschaft gezogen. Im Inneren fanden die Denkmalpfleger der Stadt Elemente, Säulen der alten prunkvollen Schalterhalle. Die Bauherren wollten das Gebäude abreißen lassen, da kam es wieder stärker in den Blick der Stadt und vor zwei Jahren auf die Denkmalliste. „Mittlerweile sind die Bauherren froh, dass sie es haben und haben interessante Pläne“, sagt Jahnke. Und die transportieren in Wohnen und Gewerbe auch optisch den Schatz der Geschichte.

Eben um solche kulturgeschichtlichen Kleinode geht es der Hansestadt, wenn sie am Sonntag, 11. September, zum Tag des offenen Denkmals lädt. Zum ersten Mal ist das Telegrafenamt ein Programmpunkt. Lebendig wird die Geschichte des Hauses, wenn Gerhardt Hantusch von 10 bis 15 Uhr Telefone präsentiert, die an die technischen Einrichtungen des Telegrafenamtes zwischen 1906 und 1990 angeschaltet waren.

Wer also denkt, er habe alle Rostocker Denkmäler gesehen, der irrt. „Wir haben noch nicht alles gezeigt“, sagt Stadtkonservatorin Birgit Mannewitz, die mit ihren Kollegen oftmals verborgene Schätze auftut und ungewohnte Einsichten möglich macht. Neben dem Amt ist dieses Jahr auch die Mühlendammschleuse zu erleben.

Bis zu 5000 Besucher nutzen das jährliche Angebot der Stadt, eine Auswahl der 500 Einzeldenkmäler zu besichtigen, in die Geschichte der Stadt einzutauchen anhand echter gemauerter Zeugnisse der Zeit. „Wir wollen Akzeptanz und Verständnis, um was für Schätze es sich handelt, erzeugen“, sagt Michaela Selling, Leiterin des Amtes für Kultur- und Denkmalpflege. Beim Hornschen Hof und der alten Anker-Spirituosen-Fabrik hatten sie gedacht, dass sie diese Denkmale aufgeben müssen. „Aber wir haben es geschafft – mit Partnern.“ Das Motto des Tages „Gemeinsam Denkmale erhalten“ stehe für so etwas. Dabei ginge die Denkmalpflege mit der Zeit. „Die Nutzer ändern sich.“ Wohnungen und ein Einkaufsmarkt sind eingezogen. Das Amt sei dahingehend offen – Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft würden sich in Rostock miteinander verbinden. Den Tag des offenen Denkmals gibt es seit 1993. „Er funktioniert fast völlig ohne Geld“, sagt Stadtkonservator Peter Writschan. Zu verdanken sei das Bauherren, Architekten, Kirchen, Museen, privaten Unterstützern und Förderern, ergänzt Kollegin Mannewitz. Dank des Einsatzes von André Axmann hat es – überraschend für viele – auch Evershagen ins Programm geschafft mit eigenen Denkmalen wie großformatigen Klinkerreliefs an Hochhausgiebeln. „Wir haben die schönsten Plattenbauten der ganzen ehemaligen Republik der DDR“, sagt Michaela Selling.

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