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Lokales

23. Oktober 2017 | 10:14 Uhr

Winzer schützen Wein mit Geschrei

vom

svz.de von
erstellt am 12.Sep.2010 | 05:58 Uhr

Usedom/Friedland | Das Frühjahr kam spät, der Sommer mit Wucht und die Herbststürme setzten schon im August ein. Die zum Teil extreme Witterung in diesem Jahr hat auch an den Weinstöcken in Mecklenburg-Vorpommern Spuren hinterlassen. Die wenigen Weinbauern im Land tun sich schwer mit Prognosen.

Während in Loddin auf Usedom an wenigen Reben sehr viele Trauben auf die Lese im Oktober warten, hadert man im nördlichsten anerkannten deutschen Weinanbaugebiet in Rattey (Mecklenburg-Strelitz) derzeit mit der Feuchte. "Nässe und Wärme sind der ideale Nährboden für Pilzkrankheiten", sagt der Ratteyer Winzermeister Henry Ebert.Auch einen weiteren "Feind" können die Ratteyer derzeit kaum aus dem Blick lassen: Die Stare. Ebert glaubt, ein wirksames Mittel gegen die gefräßigen Tiere gefunden zu haben: "Wir spielen Schreie verfolgter Stare vom Band." Die Laute seien bei Angriffen von Habichten und Sperbern aufgenommen worden und würden ohne festen Rhythmus eingespielt. "Das wird in der Pfalz auch so gemacht und hilft sehr."

Rings um Schloss Rattey wurden 15 000 Reben gesetzt, 60 Prozent tragen Rotwein. "Die Qualität des Weins ist noch schwer einzuschätzen", sagt Ebert. An einige weißen Trauben sei bereits der falsche Mehltau, ein Pilz, festzustellen. Die Helfer würden die Trauben frei schneiden, damit mehr Licht und Luft herankommt. "Sonst müssten wir die befallenen Weintrauben raussammeln, das ist sehr aufwendig", erklärt der Winzer, der noch auf warme Tage im Altweibersommer hofft.

Die "Wein-Lage" in Loddin am Achterwasser hat keine Feuchteprobleme, wie Peter Noack, der nur 99 Weinpflanzen zu pflegen hat, sagte. Auf Usedom gehe immer etwas Wind, so dass selbst nach Regen innerhalb von zwei, drei Stunden alles wieder trocken sei. Nur bei der großen Hitze habe man den Wein gewässert. Usedom zählt zu den sonnenreichsten Gegenden in Deutschland. "Pommern ist eben ganz anders als Mecklenburg", meint Noack.

Wegen der Ostsee-Nähe hatten die Usedomer keine Probleme mit Nachtfrösten im April, wie seine Wein-Kollegen in Rattey. Dort kamen im Vorjahr immerhin rund 9000 Liter Rot- und Weißwein zusammen. In Loddin, wo der Wein nur gekostet, aber nicht verkauft werden darf, waren es zuletzt 70 Liter Wein im Jahr, die Peter Noack ausschenken konnte.

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