Wilde Verfolgungsjagd durch Rostock

Die Kugel: Zehn Mal haben die  Polizeibeamten  auf die Reifen des Fluchtautos geschossen.
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Die Kugel: Zehn Mal haben die Polizeibeamten auf die Reifen des Fluchtautos geschossen.

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25. August 2010, 11:53 Uhr

Rostock | Für Lkw-Wäscher Kurt Speck beginnt der gestrige Tag mit einem Schock: Der Mitarbeiter einer Tankstelle im Fischereihafen will gerade den ersten Kunden bedienen, als er hinter seinem Rücken ein lautes Quietschen hört. "Mit einem weißen Auto sind zwei Männer wie die Irren an unserer Tankstelle vorbei gerast", sagt der 51-Jährige. In diesem Moment ahnt Speck noch nicht, dass er Zeuge einer wilden Verfolgungsjagd ist. "Der Wagen ist bei Rot über die Ampel gerast und wurde von drei Streifenwagen mit Blaulicht verfolgt", berichtet der Lkw-Wäscher. Unmittelbar hinter der Tankstelle auf dem Schmarler Damm findet die Jagd ihr jähes Ende: Die Polizei nimmt zwei Männer fest - beide betrunken. Ihr Wagen, ein VW Fox mit dem Kennzeichen HST-RK 67, wurde am Vortag in Stralsund vom Deutschen Roten Kreuz als gestohlen gemeldet.

Täter durchbrechen zwei Straßensperren

Auf das vermisste Auto ist gestern früh gegen 7 Uhr ein Mann aufmerksam geworden, der von der Vorpommern-brücke kommend auf dem Weg zur Arbeit war. "Der Wagen mit dem gesuchten Kennzeichen fuhr direkt vor ihm", sagt Yvonne Burand, Sprecherin der Polizeidirektion Rostock.

Wenige Augenblicke später treffen Beamte der Polizei Am Strande ein. Sie wollen den Autodieben den Weg abschneiden. Auf Höhe der Hochschule für Musik und Theater errichten sie eine Straßensperre. Ein wagemutiger Polizist versperrt dem heranrasenden Wagen den Weg und zielt mit einer Schusswaffe auf das Fahrzeug. Mit mehreren Schüssen in die Reifen versucht er den Volkswagen zu stoppen. Vergeblich. "Trotz einiger Treffer durchfuhr das Auto ungebremst die Blockade und raste weiter in Richtung Innenstadt", sagt Burand. Eine wilde Verfolgungsjagd durch Rostock beginnt.

Auch eine zweite Sperre auf der L22 in Höhe Werftdreieck hält die Raser nicht auf. Der Kleinwagen rammt einen Streifenwagen, der quer zur Fahrbahn steht. Danach drückt der Mann hinter dem Steuer weiter aufs Gas und fährt Richtung Fischereihafen. Hier kann die Polizei den Wagen am Schmarler Damm einkesseln. Die Beamten schießen erneut mehrfach auf die Pneus. "Als der Wagen zum Stehen kam, fehlte ihm ein Vorderreifen", so die Sprecherin. Die Felge schleift mit einem lauten, kreischenden Geräusch auf dem Asphalt. Am Ende der Verfolgungsjagd nimmt die Polizei einen 25 und einen 50 Jahre alten Mann fest. "Sie hatten einen Blutalkoholwert von 1,6 und 1,7 Promille", sagt Burand. Es kommt noch dicker: Als die Beamten den Wagen durchsuchen, machen sie einen merkwürdigen Fund. "Im Kofferraum saß ein lebendes Ferkel", berichtet die Polizeisprecherin. Wie sich später herausstellt, ist auch das kleine Schwein gestohlen. Die Feuerwehr bringt das völlig verängstigte Borstenvieh sofort ins Rostocker Tierheim.

Der DRK-Dienstwagen, mit dem die beiden Männer unterwegs waren, wurde bereits am Mittwoch in Stralsund gestohlen. Als die Fahrerin abends aus dem Wagen stieg, wurde sie von einem jungen Mann bedroht. Er forderte von ihr die Schlüssel. Bislang ist unklar, ob es sich dabei um den gestern gefassten 25-Jährigen handelt.

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