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Lokales

21. Oktober 2017 | 23:22 Uhr

Wieder dort, wo Hansa mindestens hingehört

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svz.de von
erstellt am 25.Apr.2011 | 06:36 Uhr

Rostock | Die Entscheidung ist gefallen, schon zu Ostern, drei Partien vor Saisonende: Der Dritt- verwandelte sich im Handumdrehen wieder in einen Zweitligisten - der FC Hansa steigt dorthin auf, wo er mindestens hingehört. Dem schlimmsten Jahr der Vereinsgeschichte folgte eins der entspanntesten. Eine Saison nähert sich ihrem Ende, die die Ostseestädter so beeindruckend souverän meisterten wie allenfalls früher die Zwangsaufenthalte in der DDR-Liga Staffel A.

Wohlfühl-Saison war nicht abzusehen

Und kommt auch Rostock im Vergleich zu Tabellenführer Eintracht Braunschweig nicht nur in überregionalen Medien mitunter etwas kurz, es bleibt die Genugtuung, es so manchem vermeintlichen Favoriten gezeigt zu haben - die wohltuende Gewissheit zudem, dass es einige wenige Leute gibt, die sich die Hände rieben, als Hansa in die Drittklassigkeit musste, und nun die Pest ärgern, dass dieser Verein auf Anhieb in die 2. Bundesliga zurückkehrt.

Allerdings war eine solche Wohlfühl-Saison nie und nimmer abzusehen. Der FCH fing praktisch in sämtlichen Bereichen total von vorn an, es gab viele Einschnitte und kaum Anlass zu Optimismus. Doch - der natürlich ebenfalls neue - Coach Peter Vollmann verkündete bereits nach dem Trainingsauftakt (!) am 13. Juni 2010 über seinen vermeintlich bunt zusammengewürfelten Haufen: "Die Mannschaft ist schon gut strukturiert."

Doch was sollte er auch sonst sagen. Die vielen Zugänge waren ja ihm selbst zufolge "alles Wunschspieler, die nicht aus der Kreisklasse kommen".

Seit 17. Spieltag auf einem Aufstiegsplatz

Dann trat diese Zeitung prophetisch in Erscheinung: "Die zehn Feldspieler-Posten könnten durchaus im Wesentlichen an die acht neuen Leute plus Tobias Jänicke und Kevin Pannewitz gehen. Vielleicht stürmt ,auf Kosten eines der verpflichteten Defensiven auch Marcel Schied an der Seite von Radovan Vujanovic." Geschrieben wurde dies an dem Tag, als sich der so ungemein veränderte Kader erstmals versammelte, Leute wie Peter Schyrba, Michael Wiemann, Sebastian Pelzer, Robert Müller oder Mohammed Lartey noch kaum jemandem wirklich ein Begriff waren.

Das sollte sich rasch ändern. Der FC Hansa 2010/11 mischte mit den Tugenden stimmige Hierarchie, (Defensiv-) Disziplin, Konstanz und relative Unausrechenbarkeit sofort in der Spitzengruppe mit, lag ganze zweimal unterhalb von Relegationsrang drei und befindet sich seit dem 17. Spieltag ununterbrochen auf einem der beiden Aufstiegsplätze. Zu den Vorzügen der Rostocker zählte auch die Nervenstärke. Gleich neun Partien wurden mit einem Tor Unterschied gewonnen (siebenmal 2:1, zweimal 1:0). Ging der FCH in Führung, verlor er nie, und ein einziges Mal, beim 2:2 in Dresden, gabs dann keinen Sieg. Gemeistert wurde des Weiteren vielleicht DER Knackpunkt der Saison. Das war das Spiel am 21. November 2010 beim SV Wehen Wiesbaden, in dem die Hansestädter nach Bestrafung durch den Deutschen Fußball-Bund ohne ihre Fans auskommen mussten. Braunschweig lag vorher vorn vor Offenbach (beide 36), Rostock (35) und Wiesbaden (31). Das hätte sich ganz eng zusammenschieben können. Doch die Gäste gewannen 2:1 - was sonst - und setzten sich mit sieben Zählern Abstand zum Vierten an die Tabellenspitze.

Ziegenbein ist das Symbol des Erfolges

Nicht zuletzt war das glanzvolle Abschneiden der Mecklenburger in den Ost-Duellen ein Eckstein des Aufstiegs. Von den vier Kontrahenten Babelsberg, Erfurt, Jena und Dresden schafften es nur die Sachsen, Hansa einen Punkt abzuknöpfen - alle anderen sieben Vergleiche gingen an die Macht von der Ostsee! Nicht zuletzt auswärts zeigte der Greif seine Krallen: zehn von 18 Spielen gewonnen (drei Unentschieden, fünf Niederlagen), das überbietet allein Braunschweig (10 S/5 U/3 N)!

Der FC Hansa funktionierte in der laufenden Saison als Gesamtwerk. Deshalb ist es an sich nicht angebracht, jemanden aus dieser so geschlossenen Gemeinschaft herauszuheben. Und doch darf Björn Ziegenbein als Symbol herhalten: Er, der bei Wehen nicht mehr Gebrauchte, den Rostock nur wegen der bedauerlichen schweren Verletzung von Dexter Langen nachverpflichtete, erwies sich unter einer ganzen Reihe von voll einschlagenden Zugängen als der Glücksgriff schlechthin. Und das nicht nur, weil er bis jetzt mit 13 die meisten Tore erzielte - er ist ja auch als Vorbereiter schon hinlänglich in Erscheinung getreten.

Abschließend eine Würdigung des einzigen Kontrahenten, mit dem der FCH überhaupt nichts anzufangen wusste: Beide Duelle mit dem VfB Stuttgart II gingen verloren (A 0:3, H 0:1).

Das hätte sich am Sonntag bei Schlusslicht FC Bayern München II nach dem 0:2 im Hinspiel wiederholen können, die Partie endete jedoch 0:0.

Neben dem VfB Stuttgart II sowie der "Zweiten" der Bayern hat Rostock nur Kickers Offenbach nicht mindestens einmal bezwungen (A 2:3, H 0:0).

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