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Lokales

21. Oktober 2017 | 16:17 Uhr

Wie von einem Dämon besessen

vom

svz.de von
erstellt am 07.Sep.2010 | 06:12 Uhr

Lenzen/Neuruppin | Am 14. November 2009 bedrohte ein 43-jähriger Lenzener mit der Axt mehrere Familienmitglieder. Er verletzte niemanden. Seit dem 31. August er Angeklagte vor dem Landgericht Neuruppin. Das muss entscheiden, ob er wegen einer psychischen Erkrankung in eine psychiatrische Klinik unterzubringen ist. Zur Tatzeit soll er schuldunfähig gewesen sein.

"Das war ein anderer und nicht der Bruder, den ich kannte", sagte gestern eine Schwester des Angeklagten. Sie hatte ihn bis zu jenem Tag als gutmütigen, nie lauten oder gewalttätigen Mann in Erinnerung. An diesem Tag kam der Angeklagte abends zu seiner Mutter. Er hatte eine Axt dabei, die ihm seine Schwester wegnehmen wollte. Die Mutter kam hinzu und versuchte, den Sohn zu verscheuchen.

"Er kam die Treppe hoch, holte mit der Axt aus", sagte die Schwester. Das Werkzeug blieb im Verandageländer stecken. Anschließend hockte sich der Bruder aufs Nachbargrundstück gegen einen Zaun. Dort fand ihn der zu Hilfe gerufene Schwager: "Ich habe ihn aufgefordert, zu verschwinden", sagte der 45-Jährige. "Plötzlich stand er mit der Axt in der Hand vor mir und schlug zu. Er konnte gerade noch dem Hieb ausweichen. Das war nicht mein Schwager. Er wirkte, als sei ein Dämon in ihm."

Anschließend habe sich sein Schwager wieder an den Zaun gehockt und auf die Polizei gewartet. "Wir wollen nur, dass ihm geholfen wird", sagten die Schwester und ihr Mann gestern. Bereits mehrfach war der Angeklagte in psychiatrischer Behandlung, unter anderem wegen seiner Alkoholprobleme. Außerdem musste er Tabletten nehmen "wegen Verfolgungswahn", wie seine Schwester sagte. Ihr war aufgefallen, dass ihr Bruder manchmal mit jemandem redete, der gar nicht da war.

Bereits am Nachmittag des 14. November gab es einen Vorfall mit dem Angeklagten. Er kam zu seiner Mutter - angetrunken. "Er wurde ausfallend", sagte sein Schwager gestern. Deshalb hätten sie ihn nach Hause geschickt. Am Abend kam er wieder - und rastete aus.

Da das Gericht noch einen weiteren Zeugen zu dem Vorfall hören will, wurde der Prozess gestern vertagt. Am 23. September wird weiter verhandelt.

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