Wie man Flachs unbrennbar macht

Ein defektes Moped machten  Phillip Conrad und Mitschüler wieder fahrbereit.
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Ein defektes Moped machten Phillip Conrad und Mitschüler wieder fahrbereit.

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16. November 2009, 08:58 Uhr

Wittenberge | Wie viele Liter Milch kann eine Kuh an einem Tag geben? Wie wird Dämmmaterial aus Flachs unbrennbar? Und können Laien ein defektes Moped binnen fünf Tagen wieder zum Rollen bringen? Antworten auf diese und viele andere Fragen haben am Sonnabend nicht etwa Landwirte, Wissenschaftler oder Mechaniker gegeben sondern Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums in Wittenberge. Was sie in 28 Gruppen mit Unterstützung ihrer Lehrer in der diesjährigen Projektwoche der Schule auf die Beine gestellt haben, präsentierten die Mädchen und Jungen an einem Vormittag der Öffentlichkeit.

Ein bisschen Vorsagen ist erlaubt. Immerhin kann man dabei was lernen: "Eine Kuh kann am Tag 30 Liter Milch geben, aber nur bei guter Pflege. Bei nicht artgerechter Haltung kann es passieren, dass die Milch ganz ausbleibt", erklärt Richard Noack. Der 13-Jährige und seine Mitstreiter haben in ihrer Projektgruppe die Vielfältigkeit von Milch erforscht und zum Präsentationstag auch ein Quiz für Besucher vorbereitet. Wer sich gut schlägt, bekommt einen Becher Milch. Und davon verteilt der Achtklässler am Sonnabend einige.

In den Häusern I und II des Gymnasiums herrscht am Vormittag Gedränge. Lehrer, Schüler und Eltern füllen die Gänge und Räume - aber auch Ehemalige und Großeltern gehören zu den Besuchern. "Dieser generationsübergreifende Aspekt überrascht mich jedes Jahr wieder, wenn ich sehe, wie begeistert zum Beispiel auch die Familien von den Projekten sind", sagt Schulleiter Andreas Giske. "Ich habe heute viele ehemalige Schüler hier getroffen. Daran sieht man den Nutzen einer solchen Woche."

In der Praxis genutzt werden könnte bald zum Beispiel das dreier Gymnasiastinnen. Sie haben in der Projektwoche fortgeführt, was sie schon vorher im Schülerlabor im Technologie- und Gewerbezentrum begannen: "Wir arbeiten zusammen mit dem Flachshaus Falkenhagen, einer Firma, die Dämmstoffe herstellt. Für sie haben wir neue Flammschutzmittel ausprobiert", berichtet die Katharina Rumpel aus der 13. Klasse. Da Flachs gerade für ökologisches Bauen eingesetzt werde, solle auch die nicht brennbare Beschichtung möglichst umweltverträglich sein. "Schauen Sie", sagt die 17-Jährige und hält ein Feuerzeug an ein beschichtetes Stück Flachs, das daraufhin zwar etwas verkohlt, aber nicht in Flammen aufgeht. Die Zusammensetzung dürfe sie nicht verraten, da das Schutzmittel ja in die industrielle Produktion gehen soll. Ein Firmengeheimnis quasi. Diese Woche wolle das Unternehmen das Mittel bereits testen. Für den Wettbewerb "Jugend forscht" sei es auch schon angemeldet, sagt Katharina stolz. Für sie und ihre beiden Mitschülerinnen ist das Projekt zudem ein Schritt in Richtung Zukunft: "Wir wollen nämlich Chemie, Medizin und Pharmazie studieren."

"Arbeit für den Frieden"

begann bereits 1996Doch nicht nur naturwissenschaftlich haben sich die Schüler bei der Projektwoche betätigt. Das wohl älteste Projekt am Gymnasium - "Arbeit für den Frieden", das 1996 begonnen wurde - erfuhr ebenfalls eine Neuauflage. An Geschichte interessierte Gymnasiasten reisen zu Begegnungs- und Gedenkstätten, setzen sich mit den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges auseinander. "Wir kooperieren mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, haben Exkursionen nach Belgien, Holland, Frankreich, aber auch in die Umgebung gemacht. Die Schüler haben auch schon bei der Pflege von Soldatenfriedhöfen geholfen", sagt Geschichtslehrer Rainer Neumann. Der 18-jährige Gordon Langenberg nahm in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal an dem Projekt teil. "In der Gedenkstätte Sachsenhausen ist deutlich geworden, wie grausam die Nazis mit Menschen umgingen", schildert er ein Erlebnis.

Darüber hinaus haben sich die Wittenberger Gymnasiasten unter anderem auch mit Fußball und Schach, erster Hilfe, Videobearbeitung, dem Lebenselixier Wasser, Akrobatik und Informationstechnologie beschäftigt. Und eine Galerie zeigt die morgens um halb zehn in Wittenberge entstandenen Schülerreportagen und Fotos (wir berichteten). "Es ist toll zu sehen, mit welcher Souveränität die Schüler das Ergebnis ihrer Arbeit präsentieren - und sich auch untereinander helfen. Das zeigt, dass diese Woche hilft, Wissen und Methoden, aber auch soziale Kompetenzen zu vermitteln", meint Schulleiter Giske.

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