Wie in einem schlechten Film

svz.de von
12. März 2014, 17:09 Uhr

Abends um elf rief mich meine Freundin an –panisch. „Mein Freund hat mich gefragt, ob ich ein Auto für ihn verkaufen kann.“ Ich dachte: Ja, warum nicht, wenn sie nur die Schlüssel und Papiere rausgibt und das Geld entgegennimmt? Doch damit sollte es nicht getan sein. „Ich soll in einer Stunde in ein Gewerbegebiet fahren und die Männer in einer Halle treffen“, sagte sie. „Es ist kalt, dunkel und gruselig. Ich weiß nicht, ob ich mich das traue.“ Natürlich nicht, sagte ich und war entrüstet. Was denkt der Typ sich, seine Freundin nachts loszuschicken, um irgendwelchen Männern ein Auto zu verkaufen?! Es kam noch besser: „Ich muss erst die richtige Halle suchen, es gibt drei, und Licht ist da auch nicht. Der Schalter ist ganz am Ende der Halle.“ Das wurde ja immer besser, zumal sie keinen Schimmer hatte, wer die Typen waren, denen sie das Auto verkaufen sollte. Warum musst du eigentlich in die Nacht hinaus?, fragte ich sie. „Er erreicht niemand anderen und die Typen sind von weit angereist, um das Auto zu kaufen“, war die Antwort. „Und, naja, ich hatte schon geschlafen und fand es im ersten Moment selbstverständlich, ihm zu helfen.“ Und was macht er? „Er arbeitet.“ Ich schimpfte: Das machst du nicht! Das ist wie in einem schlechten Film. Da kann dir sonst etwas passieren. In meinem Kopf malte ich mir die Situation aus, stellte mir meine kleine, zarte Freundin allein im Dunkeln mit zwei fremden Männern im Nirgendwo vor. Nachdem ich ihr die Szene farbenfroh geschildert hatte, war klar: Sie ruft ihren Freund an und sagt ihm, dass dies eine Mission impossible sei – also unmöglich. Wir legten auf. Zwei Minuten später klingelte das Telefon wieder: „Er hat angerufen und sich entschuldigt, was für eine blöde Idee das war, mich in die Nacht rauszuschicken“, kam es erleichtert vom anderen Ende. Und auch mir fiel ein Stein vom Herzen.

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