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Lokales

21. November 2017 | 18:35 Uhr

Wie das Land, so die Plakate

vom

svz.de von
erstellt am 27.Jul.2011 | 07:22 Uhr

Schwerin | Um es vorweg zu nehmen: Es kommt noch schlimmer. Auf dem SPD-Wahlplakat für die Landtagswahl kommt Ministerpräsident Erwin Sellering gleich zweimal daher. Falls man ihn beim ersten Blick nicht erkennen sollte. Sein Wahlkampfteam spricht von klarer Zweiteilung. Auf der einen Seite des Plakats Sellering alleine, auf der anderen Seite Sellering mit einem anonymen Dritten. Das sei nicht er selbst, betont Sellering: "Ich unterhalte mich noch nicht mit mir selbst." Idee oder Irrtum?

Marketing-Experten meinen jedenfalls, das Plakat sei schlicht zu voll. Die Aussage hingegen: "Gut, wie das Land" passt zum Land. Allerdings erinnert sie auch an eine norddeutsche Bierwerbung. Das passt wiederum zum doppelten Spitzenkandidaten...

Mit der Aussage "25 000 Arbeitsplätze geschaffen. Und jetzt höhere Löhne" wirbt die SPD auf alle Fälle mit einem knackigen und erfassbaren Inhalt. Denn Wahlplakate dürfen nicht überfrachtet und schon gar nicht mit ellenlangen Satz-Ungetümen vollgepflastert sein. Wenn der Wähler im Vorbeifahren gar nicht erfassen kann, um wen und worum es geht, dann ist der Erkenntniswert gleich null. Dann ist das Plakat verschenkt.

"Sehen, sympathisch finden, weitergehen", das ist der einfachste Anspruch an ein Wahlplakat. Und man könnte hinzufügen: ein Signal senden, ein Alleinstellungsmerkmal setzen. "Auf allen Wahlplakaten steht dasselbe", bemängelte der Germanistik-Professor Armin Burkhardt von der Uni Magdeburg schon vor Jahren. Die Parteien flüchteten sich in Floskeln, die nichts aussagen.

Das ist ja nun bei dem seit Wochenbeginn heißt diskutierten CDU-Plakat mit Spitzenkandidaten Lorenz Caffier und der Aufschrift "C wie Zukunft" ganz und gar nicht so. Abgesehen davon, dass das Plakat nicht zu voll, sondern eher zu leer daher kommt, animiert seine Kernaussage offenbar zum Mitdichten. "C wie Chaos", "C wie Helmut Cohl", "C wie 10 Prozent Stimmenverlust" - frotzelt die Internetgemeinde und auch der Wähler auf der Straße. "Wir wollten in die Diskussion kommen. Das hat geklappt", freut sich Spitzenkandidat Caffier, der auf dem Plakat wie ein Schlagersänger daherkommt.

CDU-Generalsekretär Vincent Kokert verweist auf eine europaweite Aufmerksamkeit. Sogar türkische Zeitungen haben gestern angefragt. "Wir wollten die Bekanntheit von Lorenz Caffier erhöhen. Das ist uns auf jeden Fall gelungen", resümiert Kokert. "Wir wollten, dass man über die CDU spricht. Hat geklappt. Wir wollten etwas gegen Wahlmüdigkeit tun..." Kokert ist im Übrigen überzeugt, dass die hämischen Internetseiten von SPD-Netzwerkern betrieben werden. Aber er schiebt vorsichtshalber nach: "Wir wissen schon, wie man Zukunft schreibt."

Der Kommunikations-Experte Michael Spreng gibt der Kampagne keine guten Noten. Spreng leitete 2002 den Wahlkampf für Edmund Stoiber. Die CDU verfahre nach dem alten Motto: Hauptsache Aufmerksamkeit. Der Spruch sei kontraproduktiv, so Spreng.

Ein Windrad unter der Überschrift "Jobmaschine", Gummistiefel in drei Größen unter dem Titel "Gerechtigkeit für jede Schuhgröße", ein glückliches Schwein unter dem Motto "Das Schwein ist uns nicht wurst" - die Grünen setzen auf Comic-Motive und Kopf. Windräder symbolisieren den Energiewandel, Bücherstapel stehen für bessere Bildung. Damit sprechen die Grünen genau ihre Klientel an, aber wohl auch nicht mehr. Die Frage ist, ob sich damit Wähler hinzugewinnen lassen. "Junge Leute lassen sich damit jedenfalls nicht anziehen", ist Tilo Stolpe, der für die FDP den Wahlkampf in Hamburg begleitete, überzeugt.

Ekkard Bäuerle, Werbekonzeptioner der Rostocker Agentur QBus, meint hingegen: "Klare Botschaft, klare Motive. Die Grünen haben ihre Sache am besten gemacht." Bäuerle hatte 2006 die Kampagne für die Grünen gestaltet. Allerdings stellt sich auch für ihn die Frage: Ist diese Kampagne zu verkopft? Angesichts von Botschaften wie "Hokus Pokus Omnibus", darf man sich das durchaus fragen. "Unsere Kampagne ist jung,frisch und wird sich deutlich von denen anderer Parteien unterscheiden", wehrt sich Spitzenkandidat Jürgen Suhr.

Während die Linke ihre Wählerschaft noch auf die Folter spannt, muss sich die FDP auf keinen Fall vorwerfen lassen, zu verkopft zu sein. "Bildung. Wirtschaft. Aufstieg." verspricht Spitzenkandidat Gino Leonard auf blau. Das geht immer. Und: "Klare Kante.." Mit "Heißes Herz und klare Kante" hat schon einmal jemand sein Comeback geschafft: Franz Müntefering 2008 als SPD-Parteivorsitzender. Was einmal klappt...

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