zur Navigation springen

Wittenburg: Feuerwehr und Stadt wehren sich gemeinsam : Widerstand gegen rechte Diffamierung

vom

Die NPD hat einmal mehr die Feuerwehren entdeckt, um ihre angebliche Volksnähe und Entschlossenheit zu beweisen. Dieses Mal steht die Wittenburger Wehr und ihr Problem mit der defekten Drehleiter im Mittelpunkt.

svz.de von
erstellt am 17.Jan.2011 | 10:07 Uhr

Wittenburg | Die rechtsextreme NPD hat einmal mehr die Feuerwehren entdeckt, um ihre angebliche Volksnähe und Entschlossenheit zu beweisen. Dieses Mal steht die Wittenburger Wehr und ihr seit Monaten bestehendes Problem mit der defekten Drehleiter im Mittelpunkt einer rechten Offensive. Wehrführung und Stadtverwaltung reagierten sofort auf die Unterstellungen und suchten gemeinsam den Weg in die Öffentlichkeit. Eindeutiger Tenor: Hier werden offenkundig Lügen verbreitet, die Wittenburger Wehr will mit den Rechten nichts zu tun haben, sie duldet kein rechtes Gedankengut in ihren Reihen und lehnt auch Spenden von der NPD kategorisch ab.

Zu den Details: Soviel Wut wie seit wenigen Tagen war bei den Verantwortlichen von Stadt Wittenburg und der freiwilligen Feuerwehr noch nie. Auf rechten Internetseiten, die offenkundig zur NPD gehören, kursierten Berichte, die Wittenburger Wehr sei von der NPD mit einer Spende unterstützt worden. Zudem gab es Vorwürfe gegen Bürgermeister Hebinck, er würde die Belange und die Sicherheit der Bevölkerung nicht ernst nehmen. Angeblich habe der NPD-Landesvorsitzende Udo Pastörs persönlich 500 Euro gespendet, damit die Wittenburger Drehleiter endlich repariert werde. Im Ton der früheren Wochenschau wird dann vermeldet, dass jetzt "nationale" Taten folgen würden, sich Bürger schon an die NPD gewandt hätten, zudem hätte Pastörs bei einer Versammlung mit Feuerwehrleuten gesprochen. Dazu wird über eine Flugblattaktion berichtet, mit der die freiwilligen Wehren gestärkt werden sollen.

Wehrführer Volker Siering platzte bei dem Thema gemeinsam mit seinem Stellvertreter Wolfgang Behrens der Kragen: "Abgesehen davon, dass wir keine Spende von der NPD wollen, ist überhaupt keine Spende in der Höhe bei uns eingegangen. Wir haben uns in Sachen Drehleiter nach einem Beschluss der Stadtvertretung an Betriebe der Region gewandt und haben auch schon Zusagen über die gesamte benötigte Summe. Also irgendetwas kann da nicht stimmen." Auch Bürgermeister Norbert Hebinck hatte alle städtischen Konten prüfen lassen und keinerlei Spendeneingänge von der NPD oder aus anderen unbekannten Quellen entdecken können. Hebinck war fassungslos über die Dreistigkeit mit der bei der versuchten Unterwanderung inzwischen vorgegangen wird. Obwohl der Streit um die defekte Drehleiter längst ausgeräumt ist würden die Rechten versuchen, auf dieses Thema draufzusatteln, so Hebinck. Dabei würde inzwischen auf nichts mehr Rücksicht genommen. Offensichtlich gäbe es wohl Kameraden, die den Rechten brühwarm auch Internes berichten würden. Das konnte gestern auch die Wehrleitung nicht ausschließen. Sobald man jedoch feststelle, dass jemand rechtes Gedankengut vertrete, würde das besprochen und Konsequenzen für den Betroffenen haben, erklärten Siering und Behrens gestern.

Der Streit um die Drehleiter, der jetzt von rechten Kreisen so hochgespielt wird, ist Monate alt und hat z. B. bei der Jahreshauptversammlung noch nicht einmal am Rand eine Rolle gespielt. Doch dieser Fakt stört offenkundig bei der Stimmungsmache. Und so traten Wehrführung als auch Verwaltung im Gespräch mit der Schweriner Volkszeitung selten einmütig auf. Mit dabei war auch Bürgervorsteherin Sybill Moß, die über die Dreistigkeit der Rechten nur den Kopf schütteln konnte. Hier werde mit den angeblichen Ängsten einiger in der Bevölkerung gespielt und so getan als wäre die Wittenburger Wehr schlecht ausgerüstet. "Das stimmt aber nicht, die Wehr ist gut ausgerüstet und kann ihre Aufgaben sehr gut erfüllen."

Das kann auch Zugführer Stefan Schwarz bestätigen. Es habe noch nie Kontakte der Wehrführung zu den Rechten gegeben und es werde sie auch nicht geben.

Es sei natürlich schwer, darin waren sich gestern alle einig, sich gegen Halbwahrheiten, Behauptungen und populistische Gerüchte zur Wehr zu setzen. Das Thema der versuchten Unterwanderung und der Benutzung der Wittenburger Wehr durch die Rechten werde bereits auf der nächsten Versammlung der Feuerwehr eine wichtige Rolle spielen, da müsse jeder Kamerad auch Farbe bekennen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen