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Lokales

21. November 2017 | 07:13 Uhr

Widerstand gegen geplanten Funkturm

vom

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erstellt am 08.Jun.2010 | 08:13 Uhr

Raben Steinfeld | Die Telefonica O2 Deutschland will in Raben Steinfeld einen neuen Sendemast errichten und damit ihren Kunden flächendeckend in einem Radius von etwa zehn Kilometern eine bessere Netzversorgung anbieten. Denn die sei in diesem Bereich nicht ausreichend, argumentiert der Anbieter für Kommunikations- und Internetdienstleistungen. Auf einer Informa tionsveranstaltung am Montagabend warb das Unternehmen für das Projekt. Denn: Für die Errichtung des 60 Meter hohen Stahlgittermastes benötigt es eine entsprechende Freifläche. Die Gemeinde stellt ein zirka 100 Quadratmeter großes Areal in Nähe des Sportplatzes in Aussicht. Sie würde dafür eine Miete erhalten. Der Vertrag solle auf 30 Jahre abgeschlossen werden. Diese lange Laufzeit sei nötig, um die hohen Investi tionskosten wieder hereinzubekommen, informierte Thomas Köhler vom Unternehmen O2.

Auf der geplanten Fläche stehen keine Bäume, hier soll ein 7,50 mal 7,50 großes Fundament errichtet werden. Die Fläche müsste eine so genannte Waldumwandlung erfahren. Das heißt: Sie würde künftig nicht mehr als zum Wald gehörende Fläche, sondern als Bauland ausgewiesen. Für die Zeit des Bauens würde das Unternehmen eine Baustraße errichten.

Köhler informierte zudem darüber, dass es in der Gemeinde bereits einen Sendemast in Nähe der Autobahn gibt. Dieser gehört dem Land und werde von anderen Mobilfunkanbietern genutzt. O2 aber könne hier seine Antennen nicht aufbringen. Die Statik des Mastes lässt eine Erweiterung nicht zu, erklärte der Fachmann. Der Turm sei zu niedrig, um die Lücken im Mobilfunknetz zu schließen. Im Gespräch war lange zuvor schon, dass der vorhandene Mast durch einen Neubau ersetzt wird. Diesen sollten dann alle interessierten Anbieter nutzen können. Die Baukosten sollte O2 übernehmen.

Das sei wirtschaftlich nicht umsetzbar, betonte Köhler mehrfach. Der Grund: Nach dem Ersatzneubau bleibt der Mast Landeseigentum. Kein Unternehmer würde hohe Summen für einen Bau ausgeben, der ihm hinterher nicht gehöre. Daher bemühe sich Telefonica O2 Deutschland um einen Neubau, der Eigentum des Unternehmens wäre und den Mitbewerber mitnutzen können - auf dem Gemeindeland am Sportplatz. Der Mast befände sich 300 Meter von der ersten Wohnbebauung entfernt.

Zum Thema Gesundheitsgefährdung sagte der O2-Koordinator für Mobilfunk und Umwelt Frank Fritsche: Nach heutiger wissenschaftlicher Bewertung aller Forschungsergebnisse gibt es keinen Beweis für eine Gesundheitsgefährdung durch Mobilfunk. Praktische Mess ergebnisse weisen aus, dass bei einem Abstand von 300 Metern der gesetzliche Grenzwert zum Schutz der Menschen vor elektromagnetischen Wellen wesentlich unterschritten wird. Er liegt im Bereich zwischen ein und zwei Prozent, versicherte Fritsche.

Gerade dieses Thema aber beschäftigte viele der etwa 80 anwesenden Raben Steinfelder. Sie seien ins Dorf gezogen, um weitgehend frei von Umweltbelastungen zu wohnen. So betonte zum Beispiel eine Raben Steinfelderin, dass sie sich keiner Zwangsbestrahlung aussetzen wolle. Auch andere haben gesundheitliche Bedenken. Ein zweiter Funkturm sei gar nicht nötig, es gäbe gute Netzverbindungen. Dem widersprachen andere Anwesende, einige sogar sehr heftig. In Raben Steinfeld gäbe es durchaus Funklöcher. Diese, so die Experten, möchten sie mit dem neuen Sendemast schließen. Den Aussagen einiger Gäste, dass das Unternehmen doch nur Geld verdienen wolle, stimmten die O2- Vertreter zu: Natürlich wolle man wirtschaftlich arbeiten.

Auch wenn Mobilfunkanbieter keinen öffentlich-rechtlichen Auftrag haben, so hatte eine Besucherin betont, so gäbe es dennoch öffentliches Interesse, entgegnete Thomas Köhler. Es sei legitim, auch Kunden von O2 einen solchen Service anzubieten, wie Mitbewerber ihn bereits vorhalten können.

Andere Raben Steinfelder führten an, dass der geplante Mast den Wert ihrer Wohngrundstücke mindere und die Wohnqualität sinke, dass die Natur in unmittelbarer Nähe Schaden nehme. Mehrfach wurden die Gemeindevertreter aufgefordert, bei ihrer Entscheidung am 21. Juni - Zustimmung oder Versagung des Mietvertrages - das Allgemeinwohl über wirtschaftliche Interessen zu stellen. Bislang, so versicherten sie, hätten sie sich immer gut vertreten gefühlt. So solle es auch bleiben.

Was geschieht, wenn es zu keinem Vertrag zwischen dem Unternehmen und der Gemeinde kommt, fragte ein anderer Einwohner. "Wir suchen dann einen neuen Standort in Raben Steinfeld", war die Antwort von Thomas Köhler. Versagt die Gemeinde, die auf ihrem Territorium Planungshoheit hat, beispielsweise auf Privatland den Bau eines Mastes, kann letztlich der Landkreis Parchim eine Entscheidung herbeiführen. Nämlich dann, wenn die Gründe der Gemeinde für ihr Nein nicht relevant sind.

Bürgermeister Horst-Dieter Kobi trug an diesem Abend auch seine Sicht der Dinge vor. Die imaginäre Angst vor Mobilfunkstrahlen entstehe, weil keiner genau wisse, ob und welche Schäden davon ausgehen. Aber die Sorgen und Nöte der Einwohner seien auch ihm wichtig. Daher werde sich wohl kein Raben Steinfelder Gemeindevertreter die Entscheidung auf der nächsten Sitzung leicht machen, kündigte er an.

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