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Expertenberatung montags in der Naturschutzstation am Zippendorfer Strand : Wetter verspricht volle Pilzkörbe

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Eigentlich ist Peter Rumpff aus Pingelshagen Sammler, aber die Pilze auf seinem Rasen „mähe ich einfach weg", sagt er. Was ihm unbekannt ist, landet nicht in seiner Pfanne. Aber irgendwie war er doch neugierig.

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erstellt am 22.Jul.2011 | 09:02 Uhr

Zippendorf | Eigentlich ist Peter Rumpff aus Pingelshagen Sammler, aber die Pilze auf seinem Rasen "mähe ich einfach weg", sagt er. Was ihm unbekannt ist, landet nicht in seiner Pfanne. Aber irgendwie war er doch neugierig, deshalb sitzt er jetzt neben Elfy Hruby in der Naturschutzstation am Zippendorfer Strand. Es ist Montag, 16 Uhr: Pilzberatung.

"Das sind Nelkenschwindlinge. Die sind essbar", sagt die Pilz-Expertin und hält einen ledergelben Pilz hoch. "Die wachsen in so genannten Hexenringen auf Wiesen." In die Pfanne von Peter Rumpff darf so ein Pilz trotzdem nicht. Die Unsicherheit bleibe, sagt er. Er mäht sie weiter ab.

Dann zieht er einen Pilz aus dem Korb, der Elfy Hrubys Fachwissen auf die Probe stellt. Hellbeige, knubbelig mit einem Handteller großen Hut. "Sieht aus wie ein Sommersteinpilz", sagt sie. Es ist aber keiner, wie sich drei Pilzbücher später herausstellen wird.

Jeden Montag bietet Elfy Hruby in der Naturschutzstation am Zippendorfer Strand zwischen 16 und 17 Uhr ihr Fachwissen an. Seit Jahren sammelt sie Pilze. Nein, um ihren Korb voll zu bekommen krieche sie nicht durch tiefe, dunkle Wälder Mecklenburgs, sagt sie. Sie bevorzuge die einfache Suche. "Ich bin Fan vom Pilzesammeln am Wegesrand", sagt sie.

Ihr Erfolg gibt ihr Recht. Eine Stunde Suche, ein Korb voll essbarer Pilze. Es gibt sie schon. Das Wetter brachte genug Nässe von oben. In den Nadelwäldern sei es noch etwas zu trocken, sagt Elfy Hruby. Aber in Laub- und Eichenwäldern sprießen die Pilze schon aus dem Boden. "Dort wachsen ganz viele an einer Stelle", mischt sich Peter Rumpff ein. Auf seinem Rasen sei das auch so. Das liegt an dem Myzel, einem Fadengeflecht unter der Erde, das die Pilze austreibt, die Sammler über der Erde dann abschneiden.

Elfy Hruby legt das erste Pilzbuch zur Seite. Sie ist sich nicht sicher, "aber ein Sommersteinpilz ist es wohl nicht". Sie zieht einen zweiten Pilzführer aus ihrer Tasche. Zu Hause habe sie richtig dicke Wälzer, in denen viel mehr Arten verzeichnet seien, sagt sie. "Pilze sammeln ist eine Wissenschaft, nicht jeder Pilz kommt jedes Jahr." Es gäbe so viele verschiedene Arten, und die Pilzbücher seien manchmal auch falsch: "Dann stimmen die Bilder nicht mit den beschriebenen Arten überein." Doppelt nachschauen ist besser. Aber auch nach dem zweiten Pilzbuch ist sie unsicher und greift zum Messer. Das rätselhafte Exemplar hat innen schwach hellblau leuchtendes Fleisch. "Das ist mit Sicherheit kein Sommersteinpilz", sagt die Expertin. Sie kaut auf einem Stück des Pilzes aus dem Garten von Peter Rumpff herum und nimmt ihn aus dem Mund. Er schmeckt bitter, also kein Speisepilz. Elfy Hruby langt in ihre Tasche und zieht ein drittes Pilzbuch hervor. Es ist dicker als die anderen.

Auf dem Tisch neben ihr verteilen sich mehrere Pilze auf einem Stück Zeitung: die Ausbeute ihres Waldspaziergangs. Perlpilze: "sehr gut essbar". Der Füchsige Seidenstreifling: "Schneiden viele ab und lassen ihn dann liegen, weil er so durchdringend rot ist. Schade drum, der ist sehr schmackhaft." Pfifferlinge: "Die sind noch selten."

Dann tippt Elfy Hruby mehrmals auf die Abbildung eines Schönfuß-Röhrlings. "Das ist er", sagt sie und hält das Exemplar von Peter Rumpff neben das Bild. Blaues Fleisch, bisschen bitterer Geschmack. "Leicht giftig, steht auf der roten Liste", liest die Expertin vor. Einen seltenen Fund, den Peter Rumpff da abgeschnitten hat.

Den Pilz will Elfy Hruby behalten, genauso wie den Nelkenschwindling, der in Kreisen wächst, den Hexenringen: "Seltene Pilze werden zentral kartiert". Außerdem stelle sie Ende September in der Naturschutzstation alle seltenen Pilze aus, die ihr bei ihrer Beratung gebracht worden sind.

Peter Rumpff verspricht, Elfy Hruby noch einige Exemplare von seiner Wiese vorbeizubringen - bevor er sie abmäht.

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