Wertvolles Speicher-Ensemble verfällt

Sorgt sich um den Verfall des Hornschen Hofes: Architekt Michael Bräuer, Ortskurator der Stiftung Denkmalpflege.maria pistor
Sorgt sich um den Verfall des Hornschen Hofes: Architekt Michael Bräuer, Ortskurator der Stiftung Denkmalpflege.maria pistor

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12. Februar 2010, 07:06 Uhr

Nördliche Altstadt | Von seiner Wohnung aus kann Architekt Michael Bräuer genau auf das Dach des Hornschen Hofs sehen. Dieser Anblick ist für den Ortskurator der Stiftung Deutsche Denkmalpflege bedauerlich. Das Dach des 1611 erbauten Gebäudes bekommt ständig mehr Löcher, Ziegel brechen heraus. Die Fensterläden verrotten, etliche fehlen. Der allgemeine Zustand des zweiteiligen Ensembles ist äußerst kritisch. Witterung und Reparaturstau begünstigen den Verfall. Einsturzgefahr ist ein Gedanke, der selbst Laien beim Betrachten des alten Speichers einfällt.

Michael Bräuer kommt aus aktuellem Anlass auf dieses markante Ensemble in der gleichnamigen Straße zu sprechen, das nach seinem damaligen Erbauer benannt worden ist. In diesem Jahr wird die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 25 Jahre alt. Und im Gegensatz zu dem genannten traurigen Denkmal-Kapitel gibt es an anderer Stelle deutlich mehr Erfolge. In dieser Zeit ist es gelungen, bundesweit 3400 Baudenkmäler zu retten. Mehr als 180 000 Förderer geben der Stiftung Geld.

Eigentumsverhältnisse sind ungeklärt

Auch in Rostock ist einiges auf den Weg gebracht worden. In der Marienkirche finden sich Beispiele, wo die Stiftung mit Spenden geholfen hat. 2,3 Millionen Euro sind an Bauvorhaben in dieses Gotteshaus geflossen. Der Turmausbau profitiert davon, die Obergaden-Fenster über dem Ostchor und die neu beschriftete hölzerne Scheibe für die Astronomische Uhr sind nur einige Beispiele. Letztere ist von Restaurator Marcus Mannewitz nach den Vorlagen des Uhrkenners Prof. Manfred Schukowski für den Zeitraum 2018 bis 2150 neu beschrieben worden. 2018 wird die neue Scheibe vor die vorhandene aufgebracht. St. Marien sei ein Beispiel für den verantwortungsvollen Umgang mit Stiftungsgeldern.

Um das sicherzustellen, gibt es die ehrenamtlich tätigen Ortskuratorien. Sie bestehen aus Fachleuten, die gemeinsam mit der Leitung der Stiftung beraten, wo die Gelder eingesetzt werden sollen. Hier am Hornschen Hof kann die Stiftung noch nicht aktiv werden. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse und die Nachwirkungen eines Insolvenzverfahrens zögern die Rettung hinaus und bringen alle Ideen sowie Vorhaben zur Rettung zum Stocken. Dabei gab es bereits 2003 Pläne eines Investors mit einem Herz für die Denkmalpflege. Er wollte das Gebäude unter diesen Gesichtspunkten retten und dort Wohnungen errichten. Das Vorhaben ist geplatzt. Außerdem gibt es in der Stadt den Wunsch, dass hier am Hornschen Hof die Tourismuszentrale einziehen könnte - ein Vorhaben, das das Wirtschaftsministerium auch finanziell fördern wurde, weil Tourismus in der Region von großer Bedeutung ist.

Michael Bräuer ist auch aus einem anderen Grund betroffen, wenn er an den Hornschen Hof denkt. "Wir haben das Ensemble retten können, als das Gebiet 1978 zwischen Fischer- und Wokrenter Straße abgerissen worden ist", sagt der Rostocker Architekt. Auf diesem Areal sollte in Plattenbauweise die Nördliche Altstadt erbaut werden, deren Giebel bewusst eine historisierende Form hatten. "Es ist nicht zu akzeptieren, dass wir es damals gerettet haben und es in der heutigen Zeit, wo wir ganz andere Möglichkeiten haben, verlieren", sagt er. Bereits nach 1611 stand der Rohbau des Hornschen Hofes lange leer, bis er 1670 eine Innenausstattung erhielt. Denkmalpfleger schließen nicht aus, dass das mit dem Dreißigjährigen Krieg, der Pest von 1624 sowie der Besetzung durch Wallensteins Truppen zusammenhängt.

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