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Lokales

23. November 2017 | 21:44 Uhr

Werkstätten luden ein

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Tag der offenen Tür: Lebenshilfewerk bietet Menschen mit Behinderungen Raum für sinnerfülltes Tätigsein

svz.de von
erstellt am 11.Mai.2015 | 17:33 Uhr

Schon von Beginn an war der Andrang beim „Tag der offenen Werkstatt“ in den Boizenburger Werkstätten des Lebenshilfewerks groß. Viele Menschen wollten sich über die Arbeit der Behinderten in der Ringstraße informieren.

Die Boizenburger Werkstätten mit knapp 80 Beschäftigten und 10 Mitarbeitern zählen zu den Betriebsstätten der Hagenower Werkstätten. In der Einrichtung können Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung sowie Mehrfach-Behinderungen am Arbeitsleben teilnehmen. Die Werkstätten bieten den Behinderten einen Raum für ein sinnerfülltes Tätigsein. Hier haben sie nicht nur Arbeit, sondern erfahren Förderung, Betreuung, Begleitung und individuelle Hilfestellung. Vor allem die Erfahrung der Gemeinschaft ist ein wichtiger Aspekt. So können sich behinderte Menschen durch die Förderung ihrer jeweils besonderen Fähigkeiten entsprechend ihrer individuellen Persönlichkeit entwickeln.

Wie beispielsweise Silvana Behnck. Die 31-Jährige ist irgendwann psychisch erkrankt. Seit 2009 arbeitet sie in der Werkstatt und ist stolz auf ihre vielen Aufgaben. „Den halben Tag arbeite ich in der Verpackung und mache dort die Kontrolle“, erzählte sie. „Außerdem unterstütze ich die Gruppenleiter und darf Telefondienste machen. In der anderen Hälfte arbeite ich oben in der Verwaltung, mache Schreibarbeiten und sogar Inventuren. Mich muss niemand beaufsichtigen, ich kann allein arbeiten. Die Arbeit macht mir Spaß.“

Nicht zuletzt ist die gelernte Bürokauffrau seit 2013 die Vorsitzende des Werkstatt-Rates und bereitet in dieser Funktion Sitzungen vor, schreibt Protokolle und engagiert sich für die Belange der Beschäftigten. Die SVZ fragte sie, ob die Werkstatt nicht jeweils eines der nicht verkauften Exemplare der Zeitung erhalten könnte, das abonnierte wäre so schnell zerlesen. Ein eigenes Abonnement könnten sie und ihre Kollegen sich nicht leisten, die Behinderten würden schließlich nur zwischen 90 und 260 Euro im Monat verdienen. Dieses Einkommen wird durch die Grundsicherung oder eine Rente aufgestockt.

Detlef Postler, Werkstattleiter der Betriebsstätten Hagenow und Boizenburg seit 2010, freute sich über das rege Interesse der Bürger an der Werkstattarbeit. Bürgervorsteherin Heidrun Dräger und die Jugendpflegerin Elke Rudolf waren gekommen, um zu gratulieren. Beschäftigte der Partner-Werkstatt in Hagenow wollten den Kollegen einmal über die Schulter schauen. Angela Hartmann, die Leiterin der Grundschule An Den Eichen, wollte sich informieren. „Ab September beschulen wir auch Schüler mit Behinderungen für zwei Jahre in der ersten Klasse. Danach wird entschieden, wie es für die Kinder weitergeht. Ich möchte für die Eltern auskunftsfähig darüber sein, wie eine berufliche Zukunft für diese Kinder aussehen könnte.“

Simone Schneider vom Biosphärenreservat Elbe war da, um den Kontakt zu pflegen. Sie ist verantwortlich für Umweltbildung und bietet Führungen für Menschen mit Behinderungen an. Sie hat selbst einen behinderten Sohn und kann sich deshalb gut in solche Menschen hineinversetzen.

„Zum Beispiel weiß kaum jemand, dass es für Rollstuhlfahrer sehr anstrengend ist, ständig nach oben zu sehen, wenn jemand vor ihnen steht und etwas erzählt. Ich versuche deshalb immer auf Augenhöhe zu gehen“, verriet sie der SVZ.

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