Wer unterschreibt, zahlt 3033 Euro

Diethelm Roeschke hat das Schreiben der Firma United Lda. in der Hand, das er garantiert nicht unterschreiben wird. Bei der Internet-Recherche fiel dem Autohändler auf, das vor dem Eintrag in ein 'Fachregister Wirtschaft und Unternehmen' gewarnt wird.Hans Taken
Diethelm Roeschke hat das Schreiben der Firma United Lda. in der Hand, das er garantiert nicht unterschreiben wird. Bei der Internet-Recherche fiel dem Autohändler auf, das vor dem Eintrag in ein "Fachregister Wirtschaft und Unternehmen" gewarnt wird.Hans Taken

von
03. Dezember 2010, 08:05 Uhr

Ludwigslust/Grabow | Je nach Unternehmenszweck ist die Veröffentlichung relevanter Unternehmensdaten im Internet durchaus interessant, denn Katalogeinträge und Verzeichnisse im Internet und Suchmaschineneinträge sind Bestandteil eines erfolgreichen Webmarketings. Angeboten werden solche Leistungen oft, doch nicht alle sind nützlich seriös. "Und das hier, das ist garantiert nicht seriös", schimpft der Ludwigsluster Autohändler Diethelm Roeschke und zeigt auf einen Brief, den er vor zwei Tagen erhalten hat. Seiner Ansicht nach werde in diesem Schreiben unter dem Vorwand Daten abgleichen zu wollen, ein teurer Vertragsabschluss provoziert. Unseriös, mit dieser Meinung steht Roeschke nicht alleine da. Auch verschiedene Industrie- und Handelskammern warnen vor Vertragsabschlüssen mit dem portugiesischen Verlag United Lda., die bundesweit im Umlauf sind.

Brief erweckt Eindruck eines behördlichen Schreibens

Auf dem Briefkopf steht in großen Buchstaben "Fachregister Wirtschaft und Unternehmen", unter Betreff "Unternehmensklassifizierung" und unter Bezug "Datenkontrolle/Bestätigung der Gültigkeit". Mit dem Hinweis, dass die turnusmäßige Kontrolle der gespeicherten Grunddaten des Unternehmens erfolgt, wird der Adressat aufgefordert, seine auf einer zweiten Seite angegebenen Firmendaten zu überprüfen. Diese Grunddaten werden kostenfrei veröffentlicht. Roeschkes Firmendaten stimmen, "doch wir haben die Daten dort nie abgegeben", sagt der 67-jährige Kfz-Meister. Auch sein Sohn Dirk, der in Grabow ebenfalls ein Autohaus unterhält, hat Post bekommen. Besonders ärgerlich aus Diethelms Roeschkes Sicht sei es, dass dieser Brief, der in Form, Gestaltung und Sprachstil Behördenschreiben ähnelt, dazu dienen solle, eine Unterschrift zu leisten, mit der erhebliche Kosten für den Unterzeichner verbunden seien. "Das ist eine Frechheit", erbost sich Roeschke, der im Kleingedruckten des Formulars eine Klausel gefunden hat, wonach sich der Aussteller bei Unterzeichnung drei Jahre lang zu einem jährlichen Beitrag von 1011 Euro an die Verlag bindet. Wird vor Ablauf des dritten Jahres nicht gekündigt, verlängert sich die Laufzeit automatisch.

"Insgesamt werden auf jeden Fall jedoch 3033 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer fällig", sagt Holger Fischer, Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen. In dieser Region haben bereits im vergangenen Monat zahlreiche Betriebe Post von United Lda. erhalten. Für Fischer steht fest: "Aus Sicht der IHK ist die Leistung wertlos." Zwar gibt es eine Internetseite des Verlags, doch die ist ebenso spartanisch wie unvollständig eingerichtet. "Es ist noch nicht einmal ein Geschäftsführer des Unternehmens namentlich genannt", weiß der IHK-Mitarbeiter. Wer die auf der Seite installierte Suchmaschine betätigt, der findet nur nach umfangreicher Recherche Betriebe, die dort eingetragen sind - eine gute und ergiebige Datenbank sieht anders aus. Wer ob des auffallend dürftigen Angebots und der hohen Kosten Redebedarf hat, wird keinen Ansprechpartner bei United Lda. finden. Die einzige dort angegebene Rufnummer ist nicht wählbar.

Auch die IHK zu Schwerin rät aus aktuellem Anlass zur Vorsicht und empfiehlt, das Angebot genau zu überprüfen und die finanzielle Belastung und den erzielbaren Vorteil durch die Eintragung genau abzuwägen. "Wichtig zu beachten ist", so Stefan Gelzer aus dem Geschäftsbereich Recht, "dass es grundsätzlich keine Verpflichtung zum Abschluss irgendwelcher derartige Verträge gibt."

Diethelm Roeschke will das Schreiben vielleicht behalten, als mahnendes Beispiel dafür, auch weiterhin aufmerksam das Kleingedruckte zu lesen. Dieses Schreiben des Verlags United Lda. wird er keinesfalls unterzeichnen und an ein Postfach ins hessische Niederaula schicken. Dabei wäre das Versenden des Rückumschlages doch so günstig, denn das Entgeld, so steht es gut lesbar auf dem Couvert, zahlt der Empfänger.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen