Wenn Sterne sprechen könnten

Phillip Dingler und Jil Marie Blum aus der Klasse 11a lesen im Rahmen von „Parchim liest!“ aus Batsheva Dagans „Wenn Sterne sprechen könnten“.
Foto:
Phillip Dingler und Jil Marie Blum aus der Klasse 11a lesen im Rahmen von „Parchim liest!“ aus Batsheva Dagans „Wenn Sterne sprechen könnten“.

Phillip Dingler und Jil Marie Blum lasen aus dem bewegenden Buch von Batsheva Dagan

svz.de von
04. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Im April diese Jahres hatte die die damalige Klasse 10a des Parchimer Friedrich-Franz-Gymnasiums die große Ehre, auf Einladung von Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider an einem Zeitzeugenprojekt in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück teilzunehmen. Besonders die Begegnung mit Batsheva Dagan blieb den Jugendlichen dabei in tiefer Erinnerung. Die 1925 als polnische Jüdin Geborene schaffte es zunächst nach Deutschland zu fliehen und in einer Familie zu arbeiten. Sie wurde jedoch denunziert und nach Auschwitz verschleppt. Nach dem Vorrücken der Roten Armee gelangte Batsheva Dagan auf dem Todesmarsch nach Ravensbrück. Ihre Leidenszeit erlebte sie im Alter zwischen 15 und 19 Jahren. Fast ihre ganze Familie starb auf grausamste Art und Weise im Holocaust, einen Begriff, den sie wie viele Israelis nicht bevorzugt und stattdessen von der Shoa spricht.

Alle Fragen waren im April erlaubt und wurden unmissverständlich beantwortet. Wer nicht in großer Runde fragte, tat es im Kleinen oder schrieb einen Zettel. Woher sie immer wieder die Kraft nimmt, über die Zeit zu reden, an das Leiden erinnert zu werden, wieder zu trauern? „Bald kann keiner von uns Überlebenden mehr sprechen. Ihr müsst das dann für mich, für uns, tun und zu Zeugen der Zeugen werden“, lautete ihr Appell an die Jugendlichen, der eindrücklich war. Wie lebenshungrig und lernbegierig Batsheva Dagan nach dem Überleben der Hölle war, zeigt ihr Werdegang. Sie studierte, arbeitete u.a. als Kinderpsychologin, schrieb mehrere Bücher, wurde Mutter und Großmutter. Ruhelos erschien sie, bescheiden und unglaublich klug, 7 Sprachen beherrscht sie und motivierte die Gymnasiasten zu lernen und zu fragen.

Besonders Phillip Dingler, den Klassensprecher der inzwischen 11a, ließ das Schicksal Batsheva Dagans und ihre Persönlichkeit nicht los. Er wollte das Versprechen halten, „Zeuge der Zeugin“ zu sein und nahm die diesjährigen „Parchim liest!“-Wochen zum Anlass, um in den beiden Patenklassen der 11a das Kinderbuch von Batsheva Dagan „Wenn Sterne sprechen könnten“ vorzustellen.

Für die Autorin ist es wichtig, auch schon Kinder an die Geschichte der Judenverfolgung heranzuführen. Dieses tut sie auf sehr berührende und eindrückliche Art und Weise. Dabei geht es nicht darum, jedes grausame Detail zu schildern, sondern auf sensible Art über Schicksale zu berichten. Wie Batsheva Dagan betont, enden ihre Kinderbücher im Gegensatz zu vielen menschlichen Tragödien der nationalsozialistischen Zeit mit einem positiven Ausgang, da sie den jungen Lesern Hoffnung vermitteln möchte.

Phillip Dingler beeindrucken die Texte Batsheva Dagans sehr. Unterstützt von seinen Mitschülerinnen Pauline Thielert und Jil Marie Blum fand er in den Klassen 8a und 8d die passenden Worte, um über Batsheva Dagan zu erzählen. Anschließend lasen die künftigen Abiturienten passagenweise aus dem Buch vor. Die Mädchen und Jungen zeigten sich sehr berührt, zumal die Elftklässler betonten, dass „Wenn Sterne sprechen könnten“ zum großen Teil die eigene Geschichte der Autorin ist.

Phillip, Pauline und Jil Marie hoffen, dass die 88-Jährige noch lange die Chance hat, persönlich über sich und ihr Schicksal zu berichten. Sie kann sich aber sicher sein, dass ihre Erlebnisse durch die jungen Zeugen der Zeitzeugin mittels solcher Begegnungen wie mit den Jungen und Mädchen der achten Klassen weitergetragen werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen