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Lokales

25. November 2017 | 12:27 Uhr

Wenn Schüler freiwillig länger bleiben

vom

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erstellt am 02.Jun.2010 | 07:24 Uhr

Hagenow | Mittwoch 16 Uhr. Im Schulkeller falten Sarah und Laura Werbeprospekte für ihre Secondhand-Firma, im Dachgeschoss sitzen Florian und Matthias vor dem Computer und auf dem Schulhof sieht man Felix vor der Filmkamera auf dem Skateboard fahren. Eigentlich ist die Schule um diese Zeit längst aus. Doch Mittwoch ist "Schule plus". Dann bleiben mehr als 90 Schüler freiwillig viel länger und machen das, was ihnen gefällt. Sie gestalten die Schul-Homepage, produzieren einen eigenen Kurzfilm oder handeln mit Secondhand-Kleidung und Schreibwaren.

Möglich macht das das vom europäischen Sozialfonds geförderte Programm "Schule plus". Dieses Jahr beteiligen sich daran in Mecklenburg-Vorpommern 178 weiterführende Schulen, 152 davon sind Ganztagsschulen. Aus dem Landkreis Ludwigslust sind 14 Schulen dabei. Allein in Hagenow machen dieses Jahr das Robert-Stock-Gymnasium, die Evangelische Schule und die Prof.-Dr.-Friedrich-Heincke- Schule mit. "Die Schüler kommen gern und aus eigenem Antrieb", sagt Regina Schlüter, Leiterin der Heincke-Schule. Ihre Schule nimmt seit sechs Jahren ununterbrochen an dem Programm teil. So lange die Kinder sich dafür engagieren und mit Leidenschaft dabei sind, setzen wir die Arbeit fort, sagt sie.

Warum kommen die Kinder auch nach der Schule gern in die Schule? Für Claas aus der fünften Klasse ist die Antwort einfach: "Ich arbeite gern am Computer. Hier sitze ich nicht wie zu Hause allein davor, sondern kann mit Mitschülern gemeinsam die Schul-Homepage gestalten. Und das beste dabei: Ich lerne von unserem Lehrer Dirk Möller sogar das Programmieren. Das lernen wir im Unterricht nicht."

Ohne Noten- und Leistungsdruck können sich die Kinder bei "Schule plus" ausleben, sich einbringen, produktiv werden. Spaß macht das nur, weil sie sich selbst dafür interessieren, eigene Ideen einbringen und mit Erfolg umsetzen. So wie die Kinder aus der Mediengruppe. Gemeinsam mit dem Berliner Filmemacher Sjard Schoenwälder, Tonmeister Till Rotter und Künstler Derya Takkali drehen sie einen Kurzfilm. "Das ist anstrengend", sagt Emily Piske, die die Hauptrolle darin spielt. "Aber es macht auch viel Spaß. Denn wir haben das Drehbuch selbst geschrieben und durften uns die Geschichte ganz allein ausdenken."

Die Lehrer von "Schule plus" müssen keine Lehrer sein. Das Robert Stock-Gymnasium hatte zum Beispiel die Rechtsanwältin Eveline Oertel für den Projektkurs "Recht" engagiert. "Das war auch für mich sehr erfrischend", sagt die Hagenower Anwältin. "Wir haben in Rollenspielen aktuelle Fälle behandelt. Die Schüler waren voll dabei und haben mich mit ihren Sichtweisen überrascht. Da wird man aus dem eigenen Saft geholt, in dem man schmort." Eine Schülerin ihres Kurses macht heute eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin. Eveline Oertel: "Toll! Sie ist durch unseren Kurs in ihrem Berufswunsch bestärkt worden."

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