zur Navigation springen

Kritik an verwahrlosten Tieren eines Gülzower Landwirts : Wenn Kühe reden könnten...

vom

Marianne Bludau sorgt sich um "verwahrloste", nicht artgerecht gehaltene Tiere eines Landwirtes. Auch deshalb, weil sich nach ihrer Anzeige beim Veterinäramt im April bis heute an der Situation nichts verändert hat.

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2011 | 08:10 Uhr

Gülzow/Güstrow | Die Güstrowerin Marianne Bludau sorgt sich um "verwahrloste" und nicht artgerecht gehaltene Tiere eines Landwirtes in Gülzow. Auch deshalb, weil sich nach ihrer Anzeige beim Veterinäramt des Landkreises im April bis heute an der Situation nichts Generelles verändert hat. Damals hatte sich Marianne Bludau auch nach Rücksprache mit Antje Kobi vom Tierschutzverein Güstrow und Umgebung, die die gleiche Meinung vertritt, an die Behörde gewandt, den Sachverhalt zu prüfen. Marianne Bludau hatte bei mehreren Besuchen in Gülzow mit Befremden festgestellt, dass Kühe mit Kälbern durch knöcheltiefen Mist wateten, in einer offenen Tür ein halb verendetes Kalb lag und die Kühe über das halbtote Tier hinwegstiegen.

Das Veterinäramt antwortete Marianne Bludau, dass der Betrieb bekannt sei und es "immer wieder zu Mängeln kam, die mit Strafen geahndet wurden". Seit einigen Monaten seien junge Leute die Betreiber, so dass das Amt die Hoffnung "hatte", dass es aufwärts geht. Hatte...

SVZ war gestern vor Ort und fand den von Marianne Bludau schon im April beschriebenen Zustand vor und den Gülzower schon seit Jahren beobachten. Auch in der Gemeindevertretersitzung im Januar kam das zur Sprache. Sabine Dobslaw, stellvertretende Bürgermeisterin, wies auf den "katastrophalen Zustand" hin. Bis heute sieht sie das nicht anders. Dazu kommen marode Gebäude und Ställe, die aussehen, als ob sie gleich einstürzen. Das passt überhaupt nicht zur Umgebung, in der sich die Forschungsanstalt für Landwirtschaft und die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe in sanierten Häusern bzw. in dem gerade errichteten bundesweiten Modellbürogebäude aus alternativen Rohstoffen befinden.

Die Gemeinde informierte das Amt Güstrow-Land. Ordnungsamtsleiter Harald Teichmann bestätigt eine Kontrolle, die aber "nichts Auffälliges" ergeben habe. Seitdem seien weitere Kritiken nicht auf seinen Tisch gekommen.

Amtstierärztin Elisabeth Dey bestätigte gestern, dass die Behörde nach der Anzeige im April eine Ordnungsverfügung mit Auflagen erlassen habe. Es sei um Missstände wie Schmutz, wenig Einstreu und stehende Nässe gegangen. Der Besitzer, der eine Biobetrieb führt, habe die Auflagen fristgemäß erfüllt, so Dey. Weitere Kontrollen seien gefolgt, die letzte am 30. Mai. Dabei gehe es immer um den Tierseuchenschutz und Tierschutz, um Ordnung und Sauberkeit auf dem Gelände nur dann, wenn beides dadurch betroffen sei, betont Dey.

Der Inhaber des Betriebes, Wilfried Hillebrand, der in der Nähe von Gießen seinen Hauptbetrieb hat, beruft sich bei den Vorwürfen auf die Kontrollergebnisse der Behörde. Er habe die Auflagen erfüllt, bei den bisherigen Nachkontrollen hätte es keine Beanstandungen gegeben. Er räumt ein, dass durch Personalwechsel die Führung des Betriebes gelitten habe. Seit einem Jahr sei seine Tochter Betriebsleiterin, eine junge Agraringenieurin. Hillebrand hat in Gülzow einen Marktfruchtbetrieb sowie in den Ställen und auf der Weide 240 Mutterkühe, Kälber und Mastbullen. Ordnung und Sauberkeit sei sein Ziel und das seiner Tochter. Hillebrand kündigte gestern Umbauarbeiten an den Gebäuden an. Sollte sein Betrieb von den Menschen der Region aber nicht gewünscht sein, so werde er die Rinderherde deutlich reduzieren und sie als Hobby betreiben.

Nach den SVZ-Recherchen gestern entschied die Amtstierärztin, dass noch am Nachmittag eine weitere Kontrolle erfolgte. Das Ergebnis: Es gibt eine weitere Ordnungsverfügung, durch die die Haltung der Tiere verbessert werden soll. Mit der Tochter vereinbarte die Behörde, dass ab morgen die beiden Herden, die jetzt noch in den Ställen sind, auf die Weide getrieben werden. Dey: "Prüfen werden wir mit den Kollegen in Hessen die EU-Prämien des Betriebes." Ebenso werde die Bausubstanz des Bullenstalls kontrolliert, ob hier für die Tiere Gefahr im Verzug ist. Elisabeth Dey sagt: "Die Kontrollen des Betriebes gehen weiter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen