Immer mehr Teenager werden Eltern : Wenn Kinder Kinder kriegen

Rund 13 000 Teenager werden in Deutschland jedes Jahr schwanger. Junge angehende Mütter sind sehr häufig einem substanziellen Stress ausgesetzt: Ungeregelte Lebensverhältnisse, unklare finanzielle Situation, Abbruch der Berufsausbildung und sozialer Druck können die Mutter so stark überfordern, dass sich der Stress auf das Ungeborene überträgt. Archiv
Rund 13 000 Teenager werden in Deutschland jedes Jahr schwanger. Junge angehende Mütter sind sehr häufig einem substanziellen Stress ausgesetzt: Ungeregelte Lebensverhältnisse, unklare finanzielle Situation, Abbruch der Berufsausbildung und sozialer Druck können die Mutter so stark überfordern, dass sich der Stress auf das Ungeborene überträgt. Archiv

Wenn der Schwangerschaftstest "positiv" anzeigt, ist das für die meisten Paare ein wunderschöner Moment. Doch für Minderjährige bedeutet eine Schwangerschaft oft große Unsicherheiten.

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27. Mai 2011, 09:55 Uhr

Wenn der Schwangerschaftstest "positiv" anzeigt, ist das für die meisten Paare ein wunderschöner Moment. Doch für Minderjährige bedeutet eine Schwangerschaft oft große Unsicherheiten. Wie soll es weiter gehen - mit Kind? Was ist mit der Schule? Was werden die Eltern sagen? Viele versuchen so lange es geht die Schwangerschaft zu verheimlichen. Ein Fehler, der die junge Mutter und das Ungeborene in Gefahr bringt. Denn Schwangerschaften vor dem 18. Lebensjahr müssen besonders betreut werden. Die Gründe dafür, dass Mädchen schon mit 14, 15 Jahren schwanger werden, sind vielfältig.

Linda, 15 Jahre alt, sitzt Sonnabend Abend zu Hause, anstatt mit ihren Freunden um die Häuser zu ziehen . Ihr Kind hält sie schützend im Arm und versucht es zu beruhigen. Die Milch warm machen und gegen die Müdigkeit ankämpfen, ist für sie nichts Neues. Wenn das kleine Nervenbündel endlich tief und zufrieden träumt, heißt es so schnell wie möglich aufräumen und ab ins Bett. Doch nach lächerlichen fünf Minuten wird sie abermals von einem eindringlichen Geschrei geweckt. Aus dem Schlaf gerissen, hechtet die junge Mutti zu ihrem kleinen Schützling. Windel voll. Verkehrte Welt? Nein, nur eine andere.

,,Ja, ich habe sehr oft mit solchen Fällen zu tun und es ist gewiss kein Trend. Junge Mütter gibt es sehr oft, bloß gehen sie damit nicht besonders gerne hausieren", sagt Elfriede Rickhoff, die schon seit viele Jahren eine erfahrene Hebamme ist. ,,Meistens sind diese Mädchen, die entscheiden, Mutter zu werden, auf sich gestellt, wenn nicht gerade die Familie hinter ihnen steht. Der Partner nimmt in der Regel schnell Reißaus. Von etwa 300 Kindern, ist es höchstens einmal der Fall, dass der leibliche Vater bei seinem Kind bleibt. Diese jungen Männer sind oft nicht dem Druck und der Verantwortung gewachsen, die ein kleines Kind mit sich bringt."

Melanie Eichler von der Familienberatungsstelle "ProFamilia" in Ludwigslust ist unter anderem dafür zuständig, sich mit den jungen Schwangeren auseinanderzusetzten. Dabei soll die werdende Mutter einzig und allein beraten und aufgeklärt werden, über ihre Schwangerschaft. Letzten Endes soll diese Beratung aber auch die jungen Frauen ermutigen, das Kind auszutragen. ,,Die Mädchen, die wirklich abtreiben wollen, werden vom Arzt geschickt und wir sollen dann besprechen und herausfinden, warum dieses Kind abgetrieben werden soll." Die 28-Jährige erklärt weiter, dass man vier Mal eine Sitzung machen müsse, egal ob man Mutter werden wolle oder nicht. ,,Manche legen es aber auch darauf an, früh Mutter zu werden. Dann haben sie etwas zum Knuddeln, Bemuttern, Liebhaben und fühlen sich wohl."

Die selben Gründe sieht auch Elfriede Rickhoff: ,,Oft spielt das soziale Umfeld eine ganz große Rolle. Wenn die eigene Familie einem zu wenig Aufmerksamkeit schenkt, oder einfach nicht ihren Pflichten nachkommt, versuchen viele junge Mädchen sich mit ihrem Kind eine bessere Familie selbst aufzubauen." Auf jeden Fall reihe sich das Aufklärungsdefizit, was die Verhütung beträfe, ebenfalls mit ein in die unliebsamen Gründe, dass es immer jüngere Mädchen gäbe, die schwanger seien oder es waren. Besonders Frauenärztin Marion Hoffmann weiß, wie traurig es um die Sexualkunde bei der jungen Generation steht. ,,Schlecht, ganz schlecht", sagt die Medizinerin und berichtet weiter: "Die Jugendlichen kennen heutzutage zwar die exotischsten Stellungen und Variationen, was den Sex betrifft. Ist ja auch ganz klar, denn die Medien sind voll davon. Doch beim Thema Verhütung werden die meisten der Heranwachsenden puterrot und ziehen unwissend die Köpfe ein. Es ist geradezu erschreckend."

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