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Lokales

25. September 2017 | 13:28 Uhr

Wenn Kinder allein gelassen werden

vom

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erstellt am 01.Jul.2011 | 08:28 Uhr

Güstrow | Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die die Angebote der Schulsozialarbeiter im Landkreis Güstrow annehmen wächst kontinuierlich. Nachdenklich mache dabei, dass die Hilfe und Rat Suchenden immer jünger werden, schätzten es die Schulsozialarbeiter auf ihrer jüngsten Zusammenkunft ein. "Wir sind längst zu einer Selbstverständlichkeit in den Schulen geworden", sagt Ines Lüders. Die Teamsprecherin des Arbeitskreises Schulsozialarbeit im Landkreis wünscht sich ein Stück mehr Anerkennung, dass Schulsozialarbeit nicht nur als selbstverständlich angesehen, sondern so auch behandelt wird. Man könne sich nicht auf Ewig von einem Projekt zum nächsten hangeln, immer mit der Sorge um die Zukunft - meist Finanzierungssorgen - im Nacken.

Es sind die Einzelfälle, die den Alltag der Schulsozialarbeiter - 20 gibt es im Landkreis - bestimmen. Da gehe es um das Kind, aber auch um dessen Beziehungsgefüge mit Eltern und Lehrern, erklärt Ines Lüders. Hinzu käme Netzwerkarbeit. Der Schulsozialarbeiter müsse alle Hilfsangebote (Suchtberatung, Schuldnerberatung usw.) gemacht werden, im Blick haben, um Lösungswege für jeden speziellen Fall zu finden. Nicht alles könne er allein in die Hand nehmen. Eine dritte Säule sei die Projektarbeit, z. B. im Bereich der Berufsorientierung. Dabei stellt Ines Lüders über die Jahre eine Verschiebung fest. Habe sie in den ersten Jahren 35 Prozent Jugendarbeit und 65 Prozent Jugendsozialarbeit geleistet, so seien es heute 95 Prozent Jugendsozialarbeit. "Kinder werden allein gelassen", sieht die Schulsozialarbeiterin eine Ursache für die Entwicklung. Sie vereinsamen vor dem Computer. Hinzu komme, dass Kinder heute so viele Möglichkeiten haben, Prioritäten anders setzen. Schule stünde nicht automatisch an erster Stelle. Mangelte es den Jugendlichen vor Jahren in erster Linie an Perspektiven, so sieht Ines Lüders heute eher die Frage, wofür sie sich entscheiden sollen als Problem. "Es ist heute schwerer seinen eigenen Weg zu finden", denkt Ines Lüders. Und Inken Balla von der Awo, die vier Sozialarbeiterstellen in Trägerschaft hat, die Arbeit mit den Eltern zu verstärken. Bei gleich gelagerten Problemen sei eine Gruppenarbeit in Betracht zu ziehen. Ines Lüders möchte präventiv noch mehr mit Lehrern zusammenarbeiten, nicht immer erst als "Feuerwehr-Frau" gerufen werden. Frühzeitig erkannte Probleme bei Schülern könnten so schneller gelöst werden.

Und Harry Pohfeldt, der als Mitarbeiter des Jugendamtes im Arbeitskreis Schulsozialarbeit mitwirkt, will Hoffnung machen. Auch wenn die Finanzierung der Schulsozialarbeit heute für 2014 nicht gesichert sei. Im Schweriner Sozialministerium wisse man um die Sorge. Vor den Landtagswahlen im September sei jetzt keine Entscheidung zu erwarten. Doch ganz gleich wie die Wahlen ausfallen, sieht Harry Pohfeldt doch alle wichtigen Parteien auf einer Linie, die eine Fortführung der Schulsozialarbeit anstrebt.

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