Wenn die Liebe grenzenlos wird

Zwei Sprachen, eine Leidenschaft: Schweriner Multi-Kulti-Paare berichteten im Gespräch mit Hanne Luhdo über ihre Erfahrungen.Reinhard Klawitter
Zwei Sprachen, eine Leidenschaft: Schweriner Multi-Kulti-Paare berichteten im Gespräch mit Hanne Luhdo über ihre Erfahrungen.Reinhard Klawitter

von
03. März 2011, 01:57 Uhr

Neu Zippendorf | "Unsere erste Begegnung war wie eine Filmszene: Wir gingen aufeinander zu - Karina mit wehendem Mantel - und blieben voreinander stehen. Es war Liebe auf den ersten Blick." Was Hollywood nicht besser hätte erfinden könnte, spielte in Wahrheit in Moskau. In den Hauptrollen: Helmut und Karina Holter. Sie Professorin, er Student. Sie Russin mit armenischem Vater, er Deutscher mit besonderer Liebe zu Mecklenburg. Heute stehen die beiden kurz vor ihrer Silberhochzeit und schwärmen voneinander wie am ersten Tag. Sie: "Mein Mann ist wie ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl. Wir sind wie siamesische Zwillinge, man kann uns nur mit Messer und Schere trennen." Er: "Meine Frau ist der spannendste Mensch auf der Welt. Mit ihr wird es nie langweilig."

So viel Romantik auf einmal gab es nicht in der Regenbogenpresse, sondern im Stadtteiltreff Eiskristall. Dorthin hatte der Verein "Die Platte lebt" zu einem Abend mit Multi-Kulti-Paaren eingeladen. Sozusagen der zweite Teil einer Serie, die im Herbst mit deutschen Ost-West-Paaren begonnen hatte. Um es gleich vorweg zu nehmen: In den Beziehungen, in denen sich Menschen aus verschiedenen Kulturen treffen, scheint es harmonischer zuzugehen als im gemischten Deutschland-Doppel, wo die ein oder andere typische Ossi- oder Wessi-Gepflogenheit oftmals für ernsten Zwist sorgt.

Ganz so stürmisch wie das Ehepaar Holter waren aber nicht alle erste Begegnungen der Gäste, die Vereinsvorsitzende Hanne Luhdo zu sich aufs Podium geholt hatte. Bei Irina Abliganz zum Beispiel vergingen vier Jahre zwischen dem ersten Kontakt und dem erneuten Wiedersehen. Die zierliche, fröhliche Frau, die seit 2009 im Stadtteilmanagement Neu Zippendorf/Mueßer Holz arbeitet, stammt aus Usbekistan und kam 1996 mit der ganzen Familie nach Schwerin. Ihr Ehemann, den sie erst hier kennen gelernt hat, ist Aserbaidschaner. "Ich hatte auch einmal einen deutschen Freund, aber es gab nicht viel, worüber wir sprechen konnten. Zu vieles war fremd zwischen uns." In Deutschland fühle sie sich jetzt aber richtig heimisch, ihre beiden Kinder sind hier voll integriert - und perfekt zweisprachig.

Schneller funkte es zwischen Schoger und Dieter Mönnich. Die Armenierin lebt seit 1998 in Deutschland und arbeitete in der selben Firma wie ihr heutiger Mann. Als er sie einmal mit dem Auto nach Hause fuhr, kamen sich die Zwei näher. Mit der Hochzeit habe es aber mehr behördliche Probleme gegeben als vermutet, berichtet Dieter Mönnich. Weil mit den Deutschkursen alles zu lange dauerte, habe er für seine Frau schließlich alles privat organisiert.

Auch Karina Holter hat keine Deutschkurse besucht, sondern sich die fremde Sprache komplett selbst beigebracht. "Zehn Jahre lang hatte ich überall in der Wohnung gelbe Vokabel-Zettel verteilt und auch heute noch lerne ich jeden Tage zwei neue Wörter", sagt sie. Neben der Sprache hat sie auch einen neuen Beruf gelernt: Die Literaturwissenschaftlerin besitzt eine Modeboutique in der Puschkinstraße. "In meinem Geschäft steht ein Duden, Latein für Angeber und Faust II", erzählt sie lächelnd. Zu Hause wird allerdings Russisch gesprochen, weil Helmut Holter die Sprache so sehr liebt und im Training bleiben möchte. Aktuell lernen die beiden noch Spanisch, denn Karina Holters Schwestern leben in Spanien. Ihre Tochter geht nach dem Jura-Examen jetzt übrigens nach London - Multi-Kulti, wie es besser kaum sein kann.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen