zur Navigation springen

Zahl der Vertretungen steigt : Weniger Schulstunden nach Plan

vom

Im ersten Schulhalbjahr ist jede zehnte Stunde an MVs Schulen nicht durch den Lehrer gegeben worden, der laut Stundenplan vorgesehen war. Damit setzte sich der seit vier Jahren leicht steigende Trend fort.

Schwerin | Im ersten Schulhalbjahr ist jede zehnte Stunde an Mecklenburg-Vorpommerns Schulen nicht durch den Lehrer gegeben worden, der laut Stundenplan vorgesehen war. Damit setzte sich der seit vier Jahren leicht steigende Trend der Vertretungsstunden an Grund-, Regional-, Förderschulen und Gymnasien fort. Das geht aus einem Bericht des Bildungsministeriums an den Landtag hervor.

In zwei von drei Fällen ist der Lehrer beziehungsweise die Lehrerin krank, wenn regulärer Unterricht nicht stattfindet. Weitere Gründe sind Fortbildungen für Lehrer, Wandertage und Schulsportveranstaltungen. Allerdings sind bis zu den Winterferien nur drei Prozent der Unterrichtsstunden komplett ausgefallen. Wie oft reguläre Stunden durch einen entsprechenden Fachlehrer vertreten werden, kann das Ministerium nicht sagen. Es räumt in dem Bericht jedoch ein, dass immer mehr Vertretungsstunden von Referendaren gegeben werden. An den Gymnasien kommt in jeder neunten Vertretungsstunde unterdessen überhaupt kein Lehrer in den Klassenraum. Die Schüler sind zur selbstständigen "Stillarbeit" verdonnert.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Annett Lindner, sagte, der hohe Krankheitsstand bei den Lehrern wundere sie nicht. Die Belastung der Lehrer steige ständig innerhalb des Unterrichts und durch neue Aufgaben, die die Neuorganisation der Schulen als "selbstständige Schule" mit sich bringt. Sie müssten Schulprogramme erarbeiten, individuelle Förderpläne für jeden Schüler erstellen, Zielvereinbarung mit dem Schulleiter abschließen und "Steuerungsgruppen" besetzen. "Aber nirgends werden Aufgaben weggenommen", sagte Lindner gegenüber dieser Zeitung. Dabei sei inzwischen jeder zweite Lehrer an den allgemein bildenden Schulen älter als 50 Jahre. Kritisch sieht Lindner auch, wenn Referendare für Vertretungsstunden eingesetzt werden. Vielerorts würden die Junglehrer ohne Mentor "allein gelassen".

Die GEW-Vorsitzende verteidigte hingegen die Fortbildungen für Lehrer. Zwar fände ein gewisser Teil während der regulären Schulzeit statt. "Aber es gibt keine Aufstellung über Fortbildungen am Nachmittag, am Wochenende und in den Ferien."

Der amtierende Vorsitzende der Landeselternrates (LER), Torsten Werner, bemängelte, dass das Ministerium nicht sagen kann, wie viele Vertretungsstunden zumindest durch einen entsprechenden Fachlehrer gegeben werden. Wenn der fehlende Mathelehrer durch einen Kunstlehrer vertreten wird, "dann ist das im Prinzip eine ausgefallene Stunde", sagte Werner.

Kein Licht am Horizont sieht der Elternvertreter bei der Verminderung des Krankenstandes der Lehrer. Wenn das zwischen Gewerkschaften und dem Land ausgehandelte Lehrerpersonalkonzept auslaufe, ändere sich schließlich nichts an der Alterspyramide der Lehrer. Die Lehrer würden im Durchschnitt nicht jünger - und damit gesünder. Das Bildungsministerium will durch Gesundheitstage und spezielle Berater die Gesundheit der Lehrer fördern.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Jun.2011 | 05:08 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen