Weniger Geld für Naturschutzarbeit

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07. Januar 2010, 01:57 Uhr

Nordwestmecklenburg | Beim Zweckverband Schaalseelandschaft, dem größten Landeigentümer der Schaalseeregion, stehen Veränderungen an. Nach mehr als 17 Jahren Landschaftspflege und Naturschutzarbeit wird sich mit dem Ende der Förderprogramme von Bund und Land der Verband vornehmlich um Verwaltungsarbeit kümmern. Sämtliche Aufgaben des Gremiums für das Gebiet von MV übernimmt mit Januar 2010 das Amt für das Biosphärenreservat Schaalsee.

Nach SVZ-Informationen soll darüber ein so genannter Geschäftsbesorgungsvertrag zwischen dem Biosphärenamt und den Trägern des Verbandes, den Landkreisen Herzogtum Lauenburg (Schleswig-Holstein), Ludwigslust und Nordwestmecklenburg sowie der Umweltstiftung WWF Deutschland geschlossen werden. Bestandteile solch eines Vertrages stehen am heutigen Abend bei der Verbandstagung im Pahlhus auf dem Programm.

Nicht zuletzt geht es dabei um die Verpachtung der im Eigentum des Verbandes befindlichen Agrarflächen. Beklagten die Landwirte in der Vergangenheit eine auf zwölf Monate ausgerichtete Verpachtung, sollen die Verträge in naher Zukunft über längere Zeiträume ihre Gültigkeit behalten. Dies wiederum könnte den Landwirten ein effektiveres Wirtschaften ermöglichen.

Armin Benz, Geschäftsführer des Verbandes, bestätigte gestern die anstehenden Änderungen. "Es ist korrekt: Die Förderprogramme sind ausgelaufen. Mehr als 20 Millionen Euro wurden für Flächenankäufe und Biotopmaßnahmen eingesetzt." Mit dem Ende der Förderperiode 1992-2009 laufen zudem die befristeten Arbeitsverträge beim Verband aus. Nach eigenen Angaben erwarb der Verband in zurückliegenden Jahren rund 4 500 Hektar an Flächen im 335 Quadratkilometer (33 500 Hektar) großen Schutzgebiet von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung. Das entspricht knapp 14 Prozent des Schutzgebietes.

Öffentliche Kritik, angesichts der Veränderungen konzeptionslos dazustehen oder gar ab 2010 von einer reinen Existenz des Verbandes auf dem Papier zu sprechen, wies Benz gegenüber der SVZ zurück: "Der Verband bleibt Eigentümer der Flächen. Änderungen gibt es lediglich in puncto Flächenmanagement." Entsprechend den Vorgaben möge in Zukunft das Amt für das Biosphärenreservat als zuständige Naturschutzbehörde seine Aufgaben optimieren.

Ab 2010 bleiben allerdings nicht nur die Bundesmittel aus. Aufgrund der angespannten Haushaltslage reduzieren die drei Landkreise ihre finanziellen Zuwendungen auf rund 70 000 Euro. Die Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) gibt im laufenden Jahr weitere 35 000 Euro zum Flächenerwerb und Betrieb der Geschäftsstelle mit Sitz in Ratzeburg hinzu.

Aus Sicht von Armin Benz ist der Übergang des Geschäftsbetriebes an das Biosphärenamt nicht spektakulär: "Das ist sinnvoll. In Zukunft gibt es für alle Fragen einen Ansprechpartner. Dies trifft ebenso für den Abschluss von von Pachtverträgen zu", sagt Benz. Die Geschäftsbesorgung sei sinnvoll, da die Biosphäre über die Fördermittel im Biotopschutz des Landes MV verfüge. Der Verband wolle sich aber in 2010 mit 20 000 Euro bei dieser Arbeit beteiligen. Sämtliche Gremien des Verbandes arbeiten vorerst weiter.

Nicht zuletzt dürfte die Suche nach einer Lösung bei der Wanderwegeproblematik in Dechow zum Aufgabenpaket gehören(wir berichteten). "Unsere Zusage zu einer Mitarbeit steht", sagt Benz. Weitere wichtige Themen sind die Renaturierung des Roggendorfer Moores mit der Herrichtung des Schlossparkes, die Schaffung von Wanderwegen östlich des Schaalsees ohne die Beeinträchtigung wichtiger Natur- und Rückzugsräume für Tiere. Insbesondere sollen Wege durch das Waldgebiet Dohlen bei Kneese und die offiziellen Wanderwege durch den Uferwald am Schaalsee bei Lassahn durch die Schaffung von Alternativen störungsfrei bleiben, heißt es in den Arbeitspaieren des Verbandes.

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