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Lokales

23. November 2017 | 06:45 Uhr

Weniger Geld für freie Schulen

vom

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erstellt am 05.Jan.2011 | 07:25 Uhr

Potsdam/Prignitz | Um jährlich zwei Prozent sollen die Zuschüsse für Schulen in freier Trägerschaft ab 2012 bis 2014 gegenüber dem Planungsansatz für dieses Jahr gekürzt werden. Das ist dem Finanzplan der Potsdamer Landesregierung zu entnehmen. Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) argumentiert, dass die freien Schulen Brandenburgs eine mittlerweile "weitgehend stabile Struktur" erreicht hätten.

Für Christoph Schröder, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Brandenburg, handelt es sich bei dem Brandenburger Schritt "um eine Politik, die wie eine Epidemie durch die neuen Bundesländer geht". Er verweist auf parallele Entwicklungen in Thüringen und Sachsen. Thüringen habe die Zuschüsse für Freie Schulen bereits gesenkt, in Sachsen sei der Vorstoß für bestehende Schulen in freier Trägerschaft zurückgenommen worden, neugegründete müssten aber mit weniger Landesgeld auskommen.

Dabei könne von einem stabilen System nicht die Rede sein, macht Schröder für Brandenburg geltend. "Wir sind einzelne Freie Schulen, jede kämpft ums Überleben", und er verweist auf die Tatsache, dass Freie Schulen nicht, wie in der Öffentlichkeit propagiert, 94 Prozent, sondern "nur etwa 65 Prozent der Zuschüsse vergleichbarer staatlicher Schulen" erhielten. Denn Sach- und Gebäudekosten, für die die Träger staatlicher Schulen wie Kommunen und Landkreise aufkämen, müssten die Freien Schule allein stemmen, rechnet Schröder vor.

Jede weitere Kürzung habe "schlimme Folgen", denn die Freien Schulen hätten Auflagen zu erfüllen, stünden deshalb vor der Alternative, entweder das Schulgeld zu erhöhen oder die Lehrergehälter zu kürzen. Beides sei aber ein zweischneidiges Schwert. Zum einen, so Schröder, dürften Freie Schulen per Gesetz ihre Schüler nicht nach den Vermögensverhältnissen der Eltern aussuchen. Zum anderen machten schlechtere Lehrergehälter die Schulen nicht mehr wettbewerbsfähig gegenüber den staatlichen. "Vor allem für das Land fänden wir dann kaum noch Interessenten."

So ein ländlich geprägter Raum ist die Prignitz. Hier gibt es zwei Freie Schulen, einmal die Grundschule in Baek, die sich in Trägerschaft des Vereins Landweg befindet, zum anderen die Montessori-Schule in Wittenberge, für die die Lebenshilfe Prignitz die Trägerschaft hat. "Privatschulen bereichern die Schullandschaft. Es ist eine Schande, wenn man an der Stelle Wettbewerbsnachteile schafft", bringt es Lebenshilfe-Geschäftsführer Tom Buchholz auf den Punkt. Gerade in Wittenberge mit einem hohen Anteil an sozial schwachen Familien könne der Ausgleich der Finanzkürzung nicht über höheres Schulgeld an die Eltern weitergereicht werden.

Die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Brandenburg sieht in dem Vorstoß der Landesregierung die Absicht, das Wachstum der Freien Schulen zu verhindern. "Wir werden uns dagegen wehren", kündigt Schröder an.

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